Blackout

Vortrag von Oberst Mag. Udo Ladinig am 09.07.2013

Obst aD Mag.Udo Ladinig hielt einen viel beachteten Vortrag zum Thema „Blackout und Cyberwar“. Es gibt dagegen keinen absoluten Schutz. Cyber Waffen seien relativ billig, höchst effizient und effektiv. Sie haben keine primäre physische Zerstörungswirkung, können aber eine sehr hohe sekundäre physische Zerstörungskraft haben. Charakteristika eines Blackouts sind das überraschende Auftreten und die Unvorhersehbarkeit seiner Dauer sowie die unkontrollierbare, rasche Ausbreitung. Binnen weniger Minuten können hunderttausende Quadratkilometer und Zigmillionen Menschen betroffen sein.

Als mögliche Gegenmaßnahmen zur Linderung der Folgen führte Ladinig auf staatlicher Ebene die Sicherstellung der Treibstoffversorgung im Notbetrieb zur Aufrechterhaltung der Telekommunikation und Mobilität (Tankstellen) aus. In Österreich würden dafür 100 Tankstellen ausreichen. Dazu kommen Maßnahmen für den Schutz und Hilfe für die Bevölkerung. Neben der staatlichen Vorsorge sind auch private Vorsorgen zu fördern.

Vortrag Blackout

Vortrag Blackout: Oberst Dr. Erwin Seeauer, Oberst Mag. Udo Ladinig, Hauptmann Hofrat Dr. Eduard Paulus, Hauptmann Gernot Schreyer

 

Blackout:

Ein großer, überregionaler Stromausfall – ein BLACKOUT – tritt immer ohne Vorankündigung auf, und kann durch völlig unkontrollierbare und kaskadenartige Ausbreitung binnen weniger Minuten hunderttausende Quadratkilometer und zig-millionen Menschen betreffen. Die Dauer eines BLACKOUT ist unbestimmt, und kann nicht vorhergesehen werden.
Die Ursachen dafür können sehr unterschiedlich sein. Die Bandbreite reicht von Terroranschlägen auf Umspannwerke und Cyber-Angriffen auf Steuerzentralen des Stromnetzes bis zu völlig alltäglichen Auslösern wie Naturereignisse sowie technisches und menschliches Versagen. Schlagartig fallen dann sämtliche vom Stromnetz abhängige Einrichtungen aus.
Ausgenommen davon sind Infrastruktureinrichtungen wie Behörden, Krankenhäuser, etc., die durch Notstromaggregate (NSA) oder Akkus weiter in Betrieb gehalten werden können. Während Akkus ohne Wiederaufladung nach einigen Stunden ihre Funktionsfähigkeit verlieren, können NSA solange Strom liefern, als Treibstoff verfügbar ist. Der Tankinhalt der meisten NSA reicht für ca. 24 bis 48 Stunden. Um den Betrieb auch über diese Zeit hinaus aufrechterhalten zu können, ist dann der kontinuierliche Nachschub mit Treibstoff erforderlich.
Da aber in Österreich derzeit weder die Tankstellen noch die großen Tanklager mit Notstromaggregaten ausgerüstet sind, ist ab dem Eintritt eines BLACKOUT kein Treibstoff mehr zum Nachtanken verfügbar. Damit steht für Notstromaggregate und natürlich auch für sämtliche Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren kein Treibstoff zur Verfügung, sobald deren Tankinhalt aufgebraucht ist.

Somit stellt sich der Ausfall der Treibstoffversorgung wegen nicht vorhandener Notstromaggregate als die folgenschwerste Schwachstelle unseres hochkomplexen Systems heraus. Ohne intakte Treibstoffversorgung bricht die Grundversorgung der Bevölkerung mit allem Lebensnotwendigen wie Lebensmittel und Wasser (falls von Pumpen abhängig) sowie die medizinische Grundversorgung zusammen, sobald die Tanks der Kraftfahrzeuge leergefahren sind. Dies trifft natürlich auch für die Einsatzfahrzeuge von Rettung, Feuerwehr und Polizei zu. Damit ist innerhalb der ersten 24 Stunden zu rechnen.
Parallel dazu fallen ohne Treibstoffversorgung für NSA in maximal 12 Stunden sämtliche Telekommunikationsmittel (Telefon, Funk) aus.
Lediglich das Bundesheer kann mit seinem eigenen Treibstoffversorgungssystem in sehr beschränktem Umfang noch für eine gewisse Zeit Transportmittel und Funkverbindungen verfügbar halten.

Mit dem Verlust der Mobilität durch Ausfall der Transportmittel und dem Verlust der Telekommunikation gehen die beiden wichtigsten Schlüsselfähigkeiten für das Funktionieren unseres hochkomplexen Gesellschaftssystems verloren.
Als Folge davon ist ab ca. 24 Stunden Dauer eines BLACKOUT nicht nur mit dem völligen Zusammenbruch der Grundversorgung der Bevölkerung zu rechnen, sondern auch mit gravierenden Sicherheitsproblemen bis hin zum Zerfall unserer Gesellschaftsform.

Seit geraumer Zeit weisen Sicherheitsexperten mit Veröffentlichungen und Vorträgen auf diese sehr realen Gefahren hin, um das in der Bevölkerung und auch in der politischen Führung noch sehr mangelhafte Risikobewusstsein zu heben, und sie von die Notwendigkeit der vordringlichsten Vorsorgemaßnahmen zu überzeugen. Nach derartigen Vorträgen ist aus dem Auditorium regelmäßig Enttäuschung und fallweise auch Unmut über die derzeit noch völlig unzureichenden Vorsorgen zu hören.

Die wichtigsten Vorsorgebereiche sind:

  • Treibstoffnotversorgung:
    Eine in Relation zum abwendbaren Schaden geringfügige Investition von ca. 8 Millionen EURO genügt, um die 4 Tanklager und ca. 90 strategisch wichtige Tankstellen mit stationären Notstromaggregaten auszurüsten. Das genügt um die erforderliche Treibstoffversorgung zu sichern.
  • SCHUTZ und HILFE für die Bevölkerung:
    Wir haben genügend aufbietbare Hilfskräfte zur Verfügung. Die Anzahl der verfügbaren Sicherheitskräfte reicht im Gegensatz dazu bei weitem nicht aus, um der Bevölkerung auch den erwarteten SCHUTZ in Notsituationen zu gewährleisten. Ohne Grundwehrdienst mit anschließenden verpflichtenden Milizübungen werden die politisch akkordierte und dringend benötigte Mob-Stärke des Heeres von 55.000 Soldaten nicht zu erreichen sein.
  • Eigenvorsorge:
    Schützen kann sich nur, wer sich einer Gefahr bewusst ist. Dazu ist Aufklärung notwendig, und damit die Förderung von privaten Vorsorgen durch Bevorratung von Lebensmitteln, Medikamenten und Wasser (wo notwendig) für eine Durchhaltedauer von ca. 2 Wochen.

Da ein Blackout und dessen Folgen grundsätzlich nicht verhindert werden können, muss der Focus auf den Anstrengungen zur Milderung der Folgen liegen. Die wichtigste Aufgabe unseres Gemeinwesens ist die Erfüllung der Grundbedürfnisse zum Leben in der uns gewohnten Form zu gewährleisten und zu sichern.

–> Siehe dazu im Internet: www.power-blackout.info

–> Merkblatt BLACKOUT

 

Weitere Verweise zum Thema:

TRUPPENDIENST-Artikel BLACKOUT 1/2012

TRUPPENDIENST-Artikel BLACKOUT 2/2012

TRUPPENDIENST-Artikel BLACKOUT 3/2012

TRUPPENDIENST-Artikel BLACKOUT 4/2012

TRUPPENDIENST-Artikel BLACKOUT 5/2012

Ratgeber-Blackout

Private Vorsorge