Blackout und seine Folgen

–> Oberst Pausch: Fallstudie Blackout

–> Kronen-Zeitung: Wenn nicht mehr geht – Österreich ist auf einen Blackout kaum vorbereitet.

 

Vortrag von Oberst Gottfried Pausch

Photo: Mjr Mag. Stephan Kuttner

von links:

Abgeordneter zum Nationalrat Ing. Mag. Volker Reifenberger, Oberst Dr. Erwin Seeauer, Mag. Irene Schulte (IV Salzburg), Oberst Gottfried Pausch, Vzlt Vitus Thaler (UOG Salzburg)


 

Am 6. September hielt Oberst Gottfried PAUSCH (Fachoffizier Controlling im Kommando Streitkräfte und derzeit zum KBM/BMLV dienstzugeteilt) im Standortkasino der Schwarzenbergkaserne den Vortrag „Blackout und seine Folgen“.

 

Österreich darf stolz darauf sein, dass die Versorgung mit elektrischer Energie bislang sehr gut funktioniert und in den letzten 15 Jahren nur ganz wenige Stromausfälle zu verzeichnen waren, die auch binnen kürzester Zeit wieder behoben werden konnten. Andere europäische Staaten waren hingegen schon einmal von einem großräumigen Strom- und Infrastrukturausfall (Blackout) betroffen, der länger anhielt und erhebliche Teile der Gesellschaft lahmlegte.
Die Wahrscheinlichkeit von Blackouts in Europa nimmt allerdings zu, weil die Bedeutung von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien zur Steuerung der komplexen Stromnetze steigt und dadurch vermehrt Störungen auftreten, welche die regionale und überregionale Versorgung mit elektrischer Energie gefährden.

Die Auslöser für ein Blackout können vielfältig sein:

  • Instabilitäten in den europaweiten Netzen,
  • Ungleiche Lastverteilung und dadurch auftretende Überlastung der Stromnetze,
  • Spannungsüberschläge bei Freileitungen,
  • Atmosphärische Einwirkungen, Gewitter, Stürme, gefrierender Regen, heftige Schneefälle, große Kälte, Hitze etc. und Elementarereignisse (Lawinenabgänge, Vermurungen, Felsstürze oder Erdbeben), welche die Stromnetzinfrastruktur schädigen bzw. Defekte verursachen,
  • Schaltfehler in Umspannwerken
  • kriminelle und terroristische Aktivitäten (Sabotage, Hacker-Angriffe).

Diese Faktoren können Leitungsausfälle und automatische Abschaltungen bewirken und damit den weitgehenden Zusammenbruch der Stromversorgung zur Folge haben.
Heuer im Mai warnte z.B. der Präsident des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz (Hans-Georg Maaßen) vor einem groß angelegten Cyber-Angriff auf kritische Infrastrukturen. Seiner Beurteilung ist nicht auszuschließen, dass im europäischen Stromnetz bereits Schadsoftware schlummert und auf Knopfdruck aktiviert werden kann.

In einem Punkt sind sich die Experten einig: die Blackout-Gefahr steigt, es ist nur mehr die Frage, wann es in Europa zu einem überregionalen Strom- und Infrastrukturausfall kommt.

Werden die zentralen Infrastrukturbereiche (Wasser- und Lebensmittelversorgung, Verkehr und Transport, Gesundheitswesen, IKT und öffentliche Sicherheit) durch Ausfall der Energie-versorgung über einen längeren Zeitraum gestört, hat dies unmittelbar schwerwiegende Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung.

Unsere Industrie- und Wohlstandsgesellschaft funktioniert nur dann, wenn auch die Energieversorgung gesichert ist. Ein mehrtägiger Strom- und Infrastrukturausfall in weiten Teilen Europas hätte auch in Österreich katastrophale Folgen:

Als erstes trifft es die Informations– und Kommunikationstechnologie:

  • Festnetztelefone und Ortsvermittlungsstellen fallen sofort aus, ebenso das Internet, Fernseher und die meisten Computer
  • Mobilfunknetze wenige Minuten später, wegen Überlastung und fehlender Stromversorgung bei den Basisstationen
  • Radios, die mit Batterien betrieben werden, funktionieren allerdings noch

Auch der Verkehr und das Transportwesen werden schwer in Mitleidenschaft gezogen:

  • Wegen des Ausfalls von Ampeln kommt es vor allem in größeren Städten zu Unfällen, Staus und zum Verkehrschaos
  • Elektrisch betriebene Elemente im Straßen-, Schienen-, Luft- und Wasserverkehr fallen etwa nach 1 Stunde aus
  • Einsatz-, Rettungs- und Hilfskräfte kommen im Verkehrschaos nur sehr schwer zu den Einsatzorten
  • Durch den Ausfall fast aller Tankstellen stranden unzählige Fahrzeuge, auch der öffentliche Verkehr kommt vorübergehend zum Erliegen.

Dort, wo es keine Notstromversorgung gibt, fallen auch Pumpsysteme aus und in vielen Ortschaften werden die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung unterbrochen. Kochen ist nur mehr mit einem Holz-, Öl- oder Kohlenofen möglich, wenn kein Trinkwasser mehr aus der Leitung kommt und auch die Toiletten-Spülung nicht mehr funktioniert, steigen die Probleme in den Haushalten, Geschäften und Betrieben massiv an. Abwasserkanäle werden verstopft und die hygienischen Bedingungen werden immer kritischer.

Bei einem Blackout ist auch die Versorgung mit Lebensmitteln stark beeinträchtigt: die meisten Geschäfte haben keine großen Lagerbestände mehr, denn der Nachschub wird in kurzen Abständen mit Transportern oder per Bahn angeliefert. Im allgemeinen Verkehrschaos funktioniert die Logistik aber nicht mehr reibungslos.
Menschen werden im letzten Moment versuchen, schnell noch Lebensmittel auf Vorrat einzukaufen, doch bald werden die Regale leer sein, weil der Nachschub nicht mehr funktioniert. Wer kein Bargeld mehr hat, weil auch die Banken geschlossen bleiben, kann sich nichts mehr kaufen und wird versuchen, im Tausch- weg noch Lebensmittel zu bekommen.

Besonders Landwirte werden bei einem Blackout zu kämpfen haben: wer kein Notstromaggregat hat, kann die Melkmaschinen nicht mehr verwenden, händisch können die Kühe in den meisten Fällen nicht mehr gemolken werden, die Tiere beginnen zu leiden und müssen nach ein paar Tage womöglich sogar notgeschlachtet werden.

Dramatisch verschärft sich die Lage auch im Gesundheitswesen: Krankenhäuser können mit Hilfe von Notstromaggregaten den Betrieb nur mehr eingeschränkt aufrechterhalten, Engpässe entstehen nach einigen Tagen auch bei der Medikamentenversorgung, die Lage verschärft sich auch in den Pensionisten- und Pflegeheimen.

Die chaotischen Verhältnisse bei einem Blackout fordern alle Einsatz-, Rettungs- und Hilfskräfte unseres Landes enorm. Die Polizei und das Bundesheer werden alle Hände voll zu tun haben, um die notwendige Hilfe zu leisten und die öffentliche Ordnung und Sicherheit aufrecht zu erhalten.

Diese dramatischen Folgen sollten sich alle Bürger/-innen vor Augen halten! Die besten Chancen, ein Blackout gut zu überstehen, haben jene Menschen, die sich auf mögliche Krisen gewissenhaft vorbereiten und in der Lage sind, etwa 2 Wochen ohne Nachschub zu überstehen.

Länder, Bezirke und Gemeinden werden ein Blackout nur dann meistern, wenn sie bereits im Vorfeld für einen effektiven Katastrophenschutz gesorgt und rechtzeitig eine wirksame Katastrophenhilfe aufgebaut haben. Die Bevölkerung muss psychisch und organisatorisch darauf vorbereitet sein, mehrere Tage auch dann zu überstehen, wenn keine elektrische Energie über bestehende Stromnetze geliefert wird und die regionale Infrastruktur schwer beschädigt ist. Dies erfordert eine konsequente Krisenvorsorge aller Betroffenen.

Was kann der einzelne tun, um sich auf einen Blackout vorzubereiten?

  • Der erste Schritt ist immer der wichtigste:
    jeder Bürger / jede Bürgerin sollte sich bewusst werden, dass die Gefahr eines Blackouts in Europa steigt und man eine derartige Katastrophe dann am besten bewältigt, wenn man sich mental mit den Folgen eines längerdauernden Strom- und Infrastrukturausfalls auseinander-setzt und sich konkret überlegt, wie man 2 Wochen ohne Hilfe von außen übersteht.
  • Der zweite Schritt ist allerdings der schwierigste:
    Man muss die konkreten Vorbereitungen für die 2-wöchige Autarkie auch konsequent umsetzen! Nur wer sich tatsächlich mit Vorräten eindeckt (Trinkwasser, Lebensmittel, Medikamente, Hygieneartikel etc.) und wichtige Vorkehrungen trifft (Kochgelegenheit, Kälteschutz, Verbindungsmittel, Sicherungsmaßnahmen), ist autark!
    Der beste Krisenplan ist wertlos, wenn er nicht umgesetzt wird.

Welche Vorräte soll man anlegen?

Ein Erwachsener sollte für 14 Tage beispielsweise folgenden Vorrat anlegen:

  • 42 Liter Trinkwasser (das sind z.B. 28 Flaschen Mineralwasser zu je 1,5 Liter)
  • ein Komplettset zur Entkeimung von Oberflächenwasser (etwa Wasser aus einem Bach)
  • Haltbare Lebensmittel für 14 Tage (Getreideprodukte, Kartoffeln, Teigwaren, Reis, Gemüse, Hülsenfrüchte, Obstkonserven, Nüsse, Haltbarmilch, Fischdosen, Fleischkonserven, Öl, Butter, Zucker, Salz, Mehl, Fertigsuppen, Gewürze, Dosenbrot, Schokolade)
    Achten auf richtige Lagerung (kühler, trockener Platz)
  • In der Hausapotheke sollten vorhanden sein: Medikamente (die vom Arzt verordnet sind), Schmerzmittel, Mittel gegen Erkältung, Fieber und Durchfall, Abführmittel, Antibiotika, Beruhigungsmittel, Wund- und Heilsalben, Nasen- und Ohrentropfen, Pflaster, Mullbinden, Desinfektionsmittel, sterile Kompressen, Wundverband, Schere, Pinzette, Verbandklemmen, Fieberthermometer, Einweghandschuhe
  • Hygieneartikel: Seifen, Zahnpaste, Taschentücher, Reinigungsmittel, Waschpulver, Nagelschere, Folien, Kühltaschen, Schnüre, Müllsäcke, WC-Papier, BioWC-Box mit Desinfektionsmittel
  • Kerzen, Teelichter, Feuerzeug, Taschenlampe (mit Batterien), Holzofen (alternativ: Gasherd mit Gasflaschen, Gasstrahler)
  • Radio mit Batterien (oder Solarzellen)
  • Bargeld (in kleinen Scheinen), Edelmetalle (kleine Münzen)
  • Mittel zum Selbstschutz / zur Selbstverteidigung, z.B. Pfefferspray, (Taschen)Alarmgerät
  • Notfallrucksack (u.a. mit Dokumentenmappe, Notfalladressen, Karten)
  • Treibstoffkanister für Auto, einfache Transportmittel (Fahrrad, Handwagen, Schubkarren)

Wie soll man seinen Haushalt ausstatten?

  • Für jede Person im Haushalt sollte ein Krisenvorrat angelegt sein (wie vorhin beschrieben)
  • Wenn im Haushalt (Klein-)Kinder bzw. auch ältere Menschen leben, müssen auch deren Bedürfnisse im Krisenvorrat entsprechend abgedeckt sein
  • Ein Notstromaggregat mit genügend Treibstoff wäre eine sehr gute Investition
  • Brandschutzmittel (z.B. Schaumfeuerlöscher, Löschdecke, Löscheimer, Brandmelder)
  • Sicherungsmaßnahmen (u.a. Sicherheitsschlösser, Fenstergitter, Alarm- / Bewegungs-melder, ggf. ein Hund)
  • Ein Kommunikationsplan (wie erreiche ich Verwandte, Bekannte)
  • BioWC
  • Faltkanister
  • Regentonne für Nutzwasser

Gute Krisenvorsorge stärkt das Selbstvertrauen und das Durchhaltevermögen der Menschen!

 



Fallstudie Blackout von Oberst Gottfried Pausch:

Oberst Gottfried PAUSCH verfasste eine Fallstudie „Blackout und seine Folgen“, in der er einen plötzlichen, überregionalen Strom- und Infrastrukturausfall im Pinzgau (Bezirk Zell am See) beschreibt und Lösungsvorschläge anführt, wie sich die dortige Bevölkerung auf eine derartige Katastrophe vorbereiten sollte.

Diese Ausarbeitung (117 Seiten) kann direkt beim Autor unter gottfriedpausch@gmx.at kostenlos angefordert werden.