Festschrift – Salzburg im Gründungsjahr der Offiziersgesellschaft

Hauptmann Univ. Prof. Dr. Reinhard R. Heinisch:
Salzburg im Gründungsjahr der Offiziersgesellschaft

Nachdem im Jahre 2007 50 Jahre seit der Gründung der Salzburger Offiziersgesellschaft vergangen sind, ist es doch reizvoll, auf das Jahr 1957 einen „Blick zurück“ zu werfen, auf den Ausgangspunkt einer nicht nur für die Offiziersgesellschaft äußerst gedeihlichen Entwicklung für die meisten Menschen aus den verschiedensten sozialen Bereichen.

Nach einer Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1953 hat das Land Salzburg 7.154 Quadratkilometer umfasst, auf denen in unserem Betrachtungszeitraum 328.217 Menschen, also 46 pro Quadratkilometer, gewohnt haben. 1957 waren zwei Jahre nach dem Abschluss des Österreichischen Staatsvertrages und dem Abzug der letzten US-amerikanischen Besatzungstruppen vergangen und damit der Startschuss für den endgültigen Wiederaufbau in Stadt und Land Salzburg nach den Schäden des Zweiten Weltkrieges erfolgt; wie in den übrigen österreichischen Bundesländern setzte auch in Salzburg eine Art von Wirtschaftswunder ein.

Wie dieser Weltkrieg auch noch 1957 nachgewirkt hat, ist aus den Salzburger Tageszeitungen immer wieder zu entnehmen. So findet man etwa Anfang Jänner die Meldung, dass eine Mutter das Ansuchen auf Eröffnung des Verfahrens zur Todeserklärung ihres seit 1943 in Russland vermissten Sohnes, des Obergefreiten Josef Schütz, eines Bäckergesellen aus Bad Gastein, gestellt hat. Suchdienste zum Auffinden vermisster Wehrmachtssoldaten waren noch immer auf der Tagesordnung: so hat etwa der sozialistische Landesrat Sepp Weißkind im September ein Suchdienst-Treffen für Angehörige der ehemaligen Waffen-SS eröffnet, wie dem „Salzburger Volksblatt“, einer damals beliebten und weitverbreiteten Tageszeitung, zu entnehmen ist. War im Jänner die Meldung über bis dahin 384 dem Erdboden gleichgemachte Orte im Sudetenland zu lesen, so ist am 18. Februar das Begräbnis des früheren NS-Bürgermeisters Dr. Franz Lorenz, bei dem der illegale Gauleiter Dipl.-Ing. Anton Wintersteiger Abschiedsworte auch für den Angehörigen des Rainer-Regiments hielt, eines der letzten Ereignisse mit Bezug auf die Anschlusszeit gewesen.

Die damalige politische Lage in Stadt und Land Salzburg war durch das sogenannte „Salzburger Klima“ gekennzeichnet, also durch eine weitgehende Konsenspolitik der Parteien, die freilich im Land besser als in der Stadt funktionierte. Im Salzburger Landtag war das Kräfteverhältnis der ideologischen Lager bestimmt durch ein Übergewicht der ÖVP, die nach der absoluten Mehrheit im Jahre 1945 Schwankungen unterworfen war. Bei den Landtagswahlen von 1954, bei der 32 statt der bisherigen 26 Abgeordneten gewählt wurden, erreichte die ÖVP 45,92 % gegenüber 38,18 % der SPÖ, 13,18 % der FPÖ und 2,32 % der KPÖ. Landtagspräsident war bis 1963 Franz Hell, ein Sekretär der Arbeiterkammer, als Vertreter der stärksten Partei.

Naturgemäß stellte die ÖVP auch den Landeshauptmann in der Person von Dr. Josef Klaus, der dieses Amt von 1949 bis 1961 innehatte und der für Salzburg einen gewaltigen Modernisierungsschub zustande brachte. Der Sohn eines Bäckers aus dem Kärntner Mauthen war vorher Vizebürgermeister in Hallein und ist nach der Salzburger Zeit 1961 als Finanzminister in das Kabinett Gorbach eingetreten. Er wurde Bundesparteiobmann und schließlich Bundeskanzler, der die erste Alleinregierung Österreichs in den Jahren von 1966 bis 1970 bilden konnte. Ihm zur Seite stand der Sozialist Franz Peyerl als Landeshauptmann-Stellvertreter, der sein Amt bis 1966 bekleidete und für Kultur, Sport, Brauchtumspflege, Gemeindeaufsicht und Gewerbewesen zuständig war. In der Landesregierung gab es 1957 eine Reihe von bemerkenswerten Persönlichkeiten, etwa die Landesräte Sepp Weißkind von der SPÖ und Walter Leitner von der FPÖ. Weißkind erwarb sich seit 1949 bleibende Verdienste um den Aufbau der Fürsorge im Land, um die Organisation der Salzburger Landeshilfe und besonders um die Kinder- und Jugendfürsorge. Leitner war von 1954 bis 1978 Angehöriger der Landesregierung, seine Aufgabengebiete umfassten den Wiederaufbau, Straßenbau, Fremdenverkehr und Brauchtum.

In der Landeshauptstadt Salzburg, in der sich die Bevölkerung im Zeitraum von 1951 bis 1961 um fünf Prozent auf 108.114 vermehrt hatte, verlief das Spiel der politischen Kräfte anders als im Land. Der seit 1952 amtierende Bürgermeister Stanislaus Pacher, ein früherer, auch im Kupferbergbau von Mühlbach am Hochkönig tätiger Bergmann aus Kärnten, musste sich im Oktober 1953 in seiner Funktion erstmals einer Gemeinderatswahl stellen, die eine außergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung von 86,5 % aufwies. Es gab einen beträchtlichen Stimmen- und Mandatsgewinn für die ÖVP auf Kosten des VdU, der Vorgängers der FPÖ. Dadurch wurde die ÖVP wieder zweitstärkste Partei, der Abstand zur SPÖ war auf ein Mandat reduziert worden. Die Gemeinderatswahl vom 20. Oktober 1957, im Gründungsjahr der Offiziersgesellschaft, ergab dann 21.510 Stimmen für die SPÖ (16 Mandate), 18.703 (13) für die ÖVP, 13.493 (10) für die FPÖ und 1.503 (1) für die KPÖ, die mit Heinrich Falterbauer von 1946 bis 1967 den ersten und einzigen kommunistischen Gemeinderat Salzburgs stellen konnte. Der am 18. November konstituierte neue Gemeinderat wählte den bisherigen Finanzstadtrat und früheren Direktor der Salzburger Sparkasse, den aus Saalfelden gebürtigen Alfred Bäck mit 28 von 40 abgegebenen Stimmen zum neuen Bürgermeister „im Geiste guter Zusammenarbeit“.

Gemeinsam mit den Vizebürgermeistern Hans Donnenberg von der ÖVP und dem ebenfalls sehr populären freiheitlichen Sepp Weilhartner, einem Reserveoffizier des Bundesheeres, mussten die letzten Folgen des Krieges beseitigt werden: über 150 Baracken und Behelfsheime, die in der Nachkriegszeit tausende Flüchtlinge und Heimatvertriebene hauptsächlich aus den deutschen Siedlungsgebieten Ost- und Südosteuropas aufgenommen hatten, mussten durch neue Wohnbauten ersetzt werden; dazu kamen Schulen und Kindergärten sowie Bauten zum Wohl der Bevölkerung wie das Paracelsus-Kurhaus, das Haus der Natur und vieles andere. So wurde Ende Februar 1957 noch von einer erschütternden Wohnungsnot in Salzburg gesprochen und der Umstand erwähnt, dass noch immer 18 Salzburger Schulen keinen Turnsaal hätten….. Wurden für Bischofshofen 689 Personen in Elendsquartieren registriert, so waren in der Hauptstadt 6.000 bis 8.000 Personen auf der Suche nach einer Wohnung. Als Tropfen auf dem heißen Stein vollendete die „Heimat Österreich“ Anfang September die Teilsiedlung Taxham 1 mit 28 Reihenhäusern: „Aus der Lagerbaracke ins Eigenheim“ hieß die Parole. Allerdings wurden noch im September 1957 im Salzburger Gemeinderat stundenlange Debatten über geplante Hochhäuser geführt; es gab Mehrheitsbeschlüsse dafür in der Gabelsbergerstraße, am Südtiroler Platz und in Lehen. Von den öffentlichen Bauten wurde kurz nach dem Jahreswechsel das Kongresshaus nach einer Bauzeit von nur 28 Monaten eröffnet und eingeweiht; ein „hervorragendes Zeugnis für 59 Salzburger Firmen, für Architekten und Bauleitung“, ein neuer Anziehungspunkt für die Festspielstadt, wie die Salzburger Presse hervorhob. Ausgerechnet am 1. April fand die nachträgliche feierliche Eröffnung und kirchliche Weihe des Fernheiz-Kraftwerkes statt; auch hier eine Bauzeit von nur siebeneinhalb Monaten.

Natürlich spielte auch 1957 das kirchliche Leben in Salzburg eine besondere Rolle, wie es eben der Vergangenheit des Landes als geistlichem Wahlstaat des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation entsprach. Im Vordergrund stand die katholische Kirche, die nach 1945 einen Wiederaufstieg erleben konnte. Zentral- und Integrationsfigur war Erzbischof Dr. Andreas Rohracher, ein wahrhafter Fürsterzbischof, obwohl er es war, der auf den Fürstentitel verzichtete. Der gebürtige Lienzer war im schweren Kriegsjahr 1943 in dieses Amt berufen worden und hatte bei Kriegsende gemeinsam mit Gauleiter Scheel und anderen die kampflose Übergabe Salzburgs an die Amerikaner bewirkt. Unerschrocken war das äußerst beliebte Kirchenoberhaupt Salzburgs nicht nur in der NS-Zeit etwa zum Schutz der Kärntner Slowenen aufgetreten, sondern auch nach 1945 gegen die US-Besatzer und für die Notleidenden der Nachkriegszeit; so ist auch die Gründung des „Sozialen Friedenswerks“ mit seinem Namen verbunden. Wichtigste Aufgabe für ihn blieb aber der Wiederaufbau des 1944 schwer bombardierten Salzburger Doms, der 1959 abgeschlossen werden konnte; 1957 entstanden bereits die modernen Domtüren, Werke der Künstler Schneider-Manzell, Manzù und Mataré. Rohracher zur Seite stand als Weihbischof Dr. Johannes Filzer, der außerhalb seines Hirtenamtes unter anderem mit dem Preberseeschießen in der Bevölkerung sehr populär geworden ist.

Neben anderen Religionsgemeinschaften wie Altkatholiken und Israelitische Kultusgemeinde unter ihrem Präsidenten Ludwig Löwy ist es vor allem die Evangelische Kirche gewesen, die die letzten Wunden nach der großen Protestantenemigration von 1731/32 heilen und einen festen Platz im Salzburger Kirchenleben erringen konnte. Unvergesslich ist vielen Salzburgern noch der langjährige Pfarrer und spätere Superintendent der evangelischen Diözese Salzburg-Tirol Emil Sturm, der sich wie Rohracher für die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge bis in die späten fünfziger Jahre eingesetzt und zahlreiche Kirchenbauten initiiert hat. Zentralgestalt evangelischen Lebens in Salzburg war aber der aus Sachsen stammende und seit 1923 in Salzburg wirkende Pfarrer Gerhard Florey, der sich intensiv um Kontakte mit den Nachfahren der in Ostpreußen aufgenommenen Salzburger Evangelischen bemüht und sich mit den historischen Gegebenheiten der großen Emigration wissenschaftlich beschäftigt hat. Floreys tiefe Menschlichkeit und Toleranz nicht nur in seinem Pastorenamt haben ihn zu einem allseits beliebten Kirchenmann gemacht.

Wirklich bedeutende politische Ereignisse hat es im Salzburg des Jahres 1957 nicht gegeben, einige Akzente sind aber dennoch gesetzt worden. So besuchte Ende April der sowjetische Ministerpräsident Anastas Mikojan nur wenige Jahre nach Stalins Tod das Salzburger Land: neben einem Besuch von Mozarts Geburtshaus und einem Empfang von Stadt und Land in der Residenz gab es eine Besichtigung der Tauernkraftwerke in Kaprun, wo es seit Ende Jänner ein Ehrenmal für 135 tote Bauarbeiter gab; einer Salzburger Tageszeitung war dieses Ereignis die Titelzeile „Hammer und Sichel über Zell am See“ wert. Dasselbe Blatt konnte auch seine offensichtliche Schadenfreude nicht verbergen, dass der traditionelle SPÖ-Maiaufmarsch, damals noch vielfach uniformiert und begleitet von den charakteristischen roten Fahnen mit den drei Pfeilen, buchstäblich ins Wasser gefallen war. In diesem parteipolitischen Zusammenhang ist auch der Antrag Bischofshofens auf das Stadtrecht am 3. Mai zu erwähnen.

Nachdem Anfang des Jahres 1957 Bundespräsident Theodor Körner, ein ehemaliger General der k. u. k.-Armee und Führer des Republikanischen Schutzbundes der Sozialdemokratischen Partei der dreißiger Jahre, verstorben war, wurde auch Salzburg zum Zeichen der Trauer beflaggt. Im März standen die Kandidaten für das höchste Amt im Staate fest: für die Sozialisten der Vizekanzler Dr. Adolf Schärf, für ÖVP und FPÖ der gemeinsame Bewerber in der Person des Mediziners Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Denk, einem namhaften Krebsforscher. In der Wahl vom 6. Mai 1957 entschied sich im Gegensatz zum Bundestrend die Salzburger Bevölkerung mehrheitlich für Dr. Denk: von 263.304 gültigen Stimmen erhielt er 145.491 gegenüber 117.813 für Schärf. der als neues Staatsoberhaupt auch in Salzburg ein gern gesehener Gast nicht nur bei offiziellen Anlässen wie bei Festspieleröffnungen wurde.

Ende Juli kam Innenminister Helmer nach Salzburg, um mit Landeshauptmann Klaus „wichtige, das Sicherheitswesen im Lande Salzburg betreffende Fragen“ zu besprechen; die Parallelen zu heute sind rein zufällig, ebenso wie die damals ventilierte Frage nach einem neuen Polizeidirektor! Für die Salzburger Bevölkerung zweifellos relevanter als das im August eröffnete Diplomatenseminar in Kleßheim war die Frage über die Zukunft der Salzkammergut-Lokalbahn, der Ischlerbahn, die zu den nostalgischen, aber auch verkehrsnotwendigen Relikten der Habsburger Monarchie gehörte. Über ihre Zukunftsaussichten und Wirtschaftlichkeit ist in Stadt und Land lange diskutiert worden. Einer großen Gruppe von Befürwortern stellte sich vor allem Landeshauptmann Klaus entgegen, der dadurch viele Sympathien eingebüßt hat. Nachdem noch am 19. September 1957 ein Volksbegehren gegen die Einstellung der Ischlerbahn auf ein großes Interesse in der Bevölkerung gestoßen war, gab es zwei Tage später einen eindrucksvollen Protestmarsch von fast 3.000 Menschen vom Bahnhof zum Residenzplatz, die gegen die Stilllegung auch in ergebnislosen Vorsprachen bei Klaus, Peyerl und Landeshauptmann-Stellvertreter Hasenauer protestierten. Schon am 1. Oktober kam das Ende mit der letzten Fahrt der Ischlerbahn, bei der der Verfasser dieser Zeilen Augenzeuge war und die langen wehmütigen Pfeifsignale der Lokomotive noch heute im Ohr hat. Eine Zeitung sprach von schwarzen Fahnen über den Bahnhöfen und von einem „schäbigen Triumph der demokratischen Diktatur“, womit natürlich Klaus gemeint war.

Für die wirtschaftliche Entwicklung von Stadt und Land Salzburg – 1957 wurde das Wirtschaftsförderungsinstitut eröffnet – ist in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre der Tourismus und die Einnahmen daraus immer wichtiger geworden. Schon im Jänner wurde ein neuer Prospekt für die Fremdenverkehrswerbung vorgestellt, der in 400.000 Exemplaren in sechs Sprachen mit prächtigen Bildern in die Welt gehen sollte. Im gleichen Monat berichteten die Zeitungen, dass 1956 Salzburg an der Spitze der österreichischen Bundesländer mit 4,5 Millionen Übernachtungen und 600 Millionen (damals noch) Schilling Erlös aus dem Fremdenverkehr gestanden hätte. Wenige Tage später wird zwar von einem flauen Jänner in der Stadt und erstmals seit Jahren rückgängigen Fremdenzahlen berichtet, aber bereits drei Monate später tummelten sich zu Ostern Gäste aus aller Welt in der Mozartstadt und etwa 7.000 Autos rollten durch Salzburg. Im Juni meldete die Kurverwaltung Dürrnberg über 8.000 Nächtigungen im laufenden Jahr. Immer wieder überschlugen sich die Erfolgsmeldungen: 93 Salzburger Gemeinden wiesen fast 1,5 Millionen Nächtigungen allein im August vor, zu Jahresende lag Salzburg österreichweit mit 21,7 % der Übernachtungen an zweiter Stelle; das Landesverkehrsamt meldete mehr als vier Millionen Übernachtungen im Sommerhalbjahr, eine Meldung, die von der 5.000sten Straßenlampe in Salzburg rekordverdächtig ergänzt wurde.

Als eine Art von Fremdenverkehrsmesse wurde am 25. Mai die Ausstellung „Gastliches Österreich“ feierlich eröffnet, wenige Tage später gab es dort einen „Tag des Bundesheeres“ mit der jungen Militärmusik unter Prof. Leo Ertl. Im Gegensatz zu heute wurde damals noch der Ausbau der Startbahn am Salzburger Flughafen moniert – Lärmbelästigungen gab es damals offensichtlich noch nicht -, weil im Sommer Direktflüge nach London wieder aufzunehmen wären. Im Februar erwartete man sich eine weitere Ankurbelung des Fremdenverkehrs von einer Seilbahn auf den Untersberg, die im gleichen Monat noch vom Salzburger Stadtsenat beschlossen wurde. Dem selben Zweck diente der Plan zum Ankauf der Kast-Villa am Mirabellplatz für ein „Haus des Internationalen Fremdenverkehrs“, wie es dem Landesverkehrsdirektor Dr. Manzano vorschwebte; letztendlich sind aber dort später die ersten Institute der wiedergegründeten Universität eingezogen. Auch für den Fremdenverkehr wurde gebaut wie in Zell am See, das vor Saisonbeginn einer Baustelle geglichen haben soll. Ein besonderer Magnet des beginnenden Massentourismus war auch die Großglockner-Hochalpenstraße, deren Erbauer Hofrat Dipl.-Ing. Franz Wallack am 22. August zu seinem 70. Geburtstag besonders geehrt wurde. Nicht zuletzt dem Fremdenverkehr diente auch der weitere Ausbau der Autobahn in Richtung Wien, der jedoch im Dezember 1957 wegen des Wintereinbruchs nicht mehr bis Mondsee gelangte.

Wenn es auch im Fremdenverkehr immer weiter bergauf ging, verzeichneten andere Wirtschaftszweige Rückgänge, die vor allem den Mitterberger Kupferbergbau betrafen. Diesem marginalen Ereignis standen überwiegend positive Entwicklungen gegenüber: so wurde Mitte Mai 1957 der Porsche-Hof beim Salzburger Hauptbahnhof eröffnet und damit der weiter ansteigenden Motorisierung entsprochen; Ehrengast war der Generaldirektor der VW-Werke Prof. Dr. h. c. Nordhoff. Anfang August zeigte die 5. Große Gauausstellung in Seekirchen mit 300 Ausstellern und 35.000 Besuchern den Salzburger Aufschwung in Gewerbe, Industrie, Landwirtschaft, Viehzucht, Jagd und Fischerei.

Mit dem Fremdenverkehr auf das engste verbunden war bereits 1957 das Salzburger Kulturleben im Sinne der oft zitierten Umwegrentabilität, aber auch der Spitzenleistungen im musikalischen und schauspielerischen Bereich, vor allem bei den 1920 gegründeten Salzburger Festspielen. Auch hier geriet Landeshauptmann Klaus in das Kreuzfeuer der Kritik durch seine Pläne zum Neubau des Großen Festspielhauses, das unter der Planung von Professor Clemens Holzmeister im Sommer 1960 mit einem festlichen „Rosenkavalier“ seiner Bestimmung übergeben wurde. Viele Salzburger störte 1957 die Riesenbaustelle mit den Sprengungen an der Mönchsbergwand für das Bühnenhaus. Schon im Jänner finden sich immer wieder Beschwerden und Bedenken gegen das Ausmaß dieser Sprengungen nicht nur aus geologischer Sicht, sondern auch wegen der befürchteten Verschandelung des barocken Stadtbildes. Im Mai gab es eine Anfrage der FPÖ über Gerüchte bezüglich geplanter Garagen im Mönchsberg, die heute ja nicht mehr wegzudenken und offensichtlich auch 2007 das Non plus ultra Salzburger Verkehrsplanung darstellen. Den Gegnern des Festspielhausprojekts musste sich der Landeshauptmann am 15. Jänner in einer Diskussion stellen.

Vor diesem Hintergrund begannen am 27. Juli 1957 die Salzburger Festspiele mit der Festspielauffahrt mit der damals noch üblichen Masse von Schaulustigen zur Premiere des „Fidelio“ in der Felsenreitschule, allerdings ein Festspielauftakt im Wolkenbruch. Geprägt waren auch diese Festspiele von der überragenden Persönlichkeit Herbert von Karajans, an dem heute so manche Nachfolger herummäkeln, ohne ihn auch nur im Entferntesten erreichen zu können. Natürlich war auch damals im Publikum alles aufgeboten, was Prominenz war oder sich wenigstens dafür hielt. Bescheiden war der einwöchige Festspielbesuch der belgischen Königin Elisabeth, sehr aufwändig dagegen die sage und schreibe bereits 667 Wort- und Bildberichter aus 33 Staaten, die natürlich nicht nur über die Hochkultur, sondern auch über die noch nicht so genannten Adabeis berichteten.

Neben Karajan gab es auch andere bedeutende Dirigenten, die den Salzburger Festspielen ihren Stempel aufdrückten: Karl Böhm, Josef Keilberth, Dimitri Mitropoulos, George Szell, Rafael Kubelik, Wolfgang Sawallisch, Eduard van Beinum; Dirigenten nicht nur von europäischer, sondern weltweiter Bedeutung . Diesem Rang entsprechend waren auch die Orchester wie die Wiener Philharmoniker, das Berliner Philharmonische Orchester, aber auch die Camerata Academica des Mozarteums unter dem unvergessenen Bernhard Paumgartner und das Mozarteum-Orchester, das trotz seiner im Februar diskutierten Krise und der Kündigung des künstlerischen Leiters Ernst Märzendorfer die gesetzten Erwartungen erfüllte. Die wirklich besten Sänger der Welt gastierten auch in diesem Festspielsommer in Salzburg, mit klingenden Namen wie Paul Schöffler, Otto Edelmann, Giuseppe Zampieri, Christl Goltz, Sena Jurinac, Waldemar Kmentt, Walter Berry, Dietrich Fischer-Dieskau, Elisabeth Schwarzkopf, Irmgard Seefried, Erich Kunz, Christa Ludwig, Erika Köth, Nicolai Gedda, Anton Dermota, Lisa Della Casa, Max Lorenz, Anna Moffo, Giuletta Simionato oder Anneliese Rothenberger. Eine gesangliche Weltelite, die in den Meisterwerken Mozarts wie „Figaros Hochzeit“, „Entführung aus dem Serail“ „Cosi fan tutte“, in Strauss’ „Elektra“ und in Verdis „Falstaff“ auftrat, in Werken, die noch nicht vom modernen Regietheater vergewaltigt waren, sondern von wirklichen Könnern wie Karajan, Günther Rennert, Oscar Fritz Schuh oder Herbert Graf inszeniert wurden, mit herausragenden Ausstattern und Bühnenbildnern wie Ita Maximowna oder Caspar Neher. Man spielte bereits moderne Oper wie Rolf Liebermanns „Schule der Frauen“ und Orchesterkonzerte, Serenaden, Matineen, Kammerkonzerte, Liederabende, Solisten- und Chorkonzerte, Kirchenkonzerte und solche mit geistlicher, aber auch mit zeitgenössischer Musik.

Natürlich war auch das Schauspiel vertreten, nicht nur mit Hofmannsthals „Jedermann“ vor dem Dom, sondern auch mit Lessings „Emilia Galotti“ und dem modernen Eugene O’Neill mit seinem Erfolgsstück „Fast ein Poet“. Wie im Musiktheater gab es auch hier eine ganze Reihe international bekannter und hervorragender Interpreten wie Ernst Deutsch, Helmut Janatsch, Will Quadflieg, Adrienne Gessner, Walther Reyer, Attila Hörbiger, die aus dem Film bekannte Lieselotte Pulver, Ewald Balser, Elisabeth Flickenschild oder Raoul Aslan, die unter der Regie Schuhs und Ernst Lothars und in den Bühnenbildern Nehers und Teo Ottos große Erfolge feiern konnten, von denen noch heute damalige Zuseher schwärmen.

Seit den Feiern zum 200. Geburtstag Wolfgang Amadeus Mozarts im Jänner 1956 gab es neben den Sommerfestspielen die bis heute existierende Mozart-Woche, die von der Internationalen Stiftung Mozarteum ins Leben gerufen und mit der Jugendoper „La finta semplice“ begonnen wurde. Damit setzte eine Verstärkung der nicht nur musikalischen, sondern auch kommerziellen Vermarktung des Salzburger Genius loci ein, die in der Gegenwart immer unappetitlichere Formen annimmt. 1957 war jedoch davon noch nicht so viel zu spüren, das „Mozarteum“ als international renommierte Musikschule und andere Institutionen waren noch echte Bewahrer des großen Erbes.

Abgesehen von diesen Besonderheiten konnte das Salzburger Kulturleben 1957 noch einiges andere bieten, das sich sehen lassen konnte. Im Salzburger Landestheater gab es damals noch erstklassige Opern- und Theateraufführungen: man spielte „Madame Butterfly“, „Der Waffenschmied“, Verdis „Rigoletto“, Bizets „Carmen“, die Operetten „Land des Lächelns“ und zur Eröffnung der Spielzeit im September unter dem neuen Leiter Fritz Klingenbeck „Wiener Blut“ von Johann Strauß. Von den Sprechstücken gab man unter anderem Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“, Molieres „Tartuffe“ und Franz Molnárs „Liliom“ mit Edd Stavjanik in der Titelrolle. Vera Complojer und Fritz Bischof gehörten neben vielen anderen zu den damaligen Lieblingen des Salzburger Theaterpublikums.

Seit 1947 bestand die Salzburger Kulturvereinigung, von Künstlern und Politikern als gemeinnütziger Verein mit dem Ziel der Volksbildung ins Leben gerufen. Sie bot unter der Leitung des rührigen Dr. Heinz Klier Konzert- und Theaterabonnements zu ermäßigten Preisen in der Großen Aula und im Landestheater an und übernahm im Februar 1957 auch Abonnements für die „Aktion der gute Film“, in der unter anderem der ausgezeichnete Streifen „Denn sie sollen getröstet werden“ nach dem berührenden Roman von Alan Paton gezeigt wurde. Die damals noch zahlreicheren Kinos waren aus dem Salzburger Kulturleben nicht wegzudenken. Spitzenreiter unter den gezeigten Filmen waren die drei Teile von „Sissy“ mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm, die von über 55.000 Besuchern gesehen wurden, gefolgt vom „Hauptmann von Köpenick“ mit Heinz Rühmann in der Titelrolle mit 33.000 Cineasten. Es gab auch in Salzburg einen förmlichen Sissy-Kult, vor allem um Romy Schneider, die im Jänner 1957 das Modehaus Thalhammer am Rathausplatz besuchte, wo die Garderobe zu ihren Sissy-Filmen ausgestellt war. Insgesamt zeigte eine Statistik für das Jahr 1956 mehr als zwei Millionen Besucher der Kinos auf, von den elf erfolgreichsten Filmen waren damals nur zwei US-amerikanischer Herkunft – welch ein Unterschied zum heutigen „Kultur“-Leben!!

Was gab es doch 1957 an herausragenden Filmen mit teilweise hoher künstlerischer und unterhaltsamer Qualität: „Der Glöckner von Notre Dame“ mit Gina Lollobrigida und Anthony Quinn, im Elmo-Kino konnte man „Die Trapp-Familie“ mit Ruth Leuwerik, Hans Holt und Josef Meinrad sehen – die amerikanische Version sollte zu einem, allerdings nicht von allen geschätzten Salzburg-Klischee der Tourismus-Werbung für Gäste aus Übersee werden -, im Mirabellkino „Rose Bernd“ mit Maria Schell, im Stadtkino „Zur Hölle und zurück“ mit dem amerikanischen Weltkriegsheros Audie Murphy und in Itzling „Anastasia, die letzte Zarentochter“ mit Lilli Palmer und Ivan Desny. Im Mozart-Kino gab man im März „Die Halbstarken“ mit Horst Buchholz, Karin Baal und Christian Dörmer, „das hochaktuelle Thema unserer Zeit – hart – realistisch – schonungslos“, wie das „Salzburger Volksblatt“ diesen 1957 mit dem „Bambi“ ausgezeichneten Streifen ankündigte, der allerdings mit einem „Jugendverbot“ belegt war. Rührselige Filme waren „Herrscher ohne Krone“ mit O. W. Fischer, ebenfalls ein damaliger Publikumsliebling, Horst Buchholz und Odile Versois, „Der König und ich“ mit Yul Brynner und Deborrah Kerr anspruchsvoll waren „Krieg und Frieden“ nach Tolstois Epos mit der rührenden Audrey Hepburn, mit Henry Fonda, Mel Ferrer und der skandalumwitterten Anita Ekberg sowie „Die zwölf Geschworenen“ mit Henry Fonda in den Aiglhof-Lichtspielen. Auch mit der deutschen Weltkriegsvergangenheit beschäftigte man sich 1957 und zwar im Gegensatz zu heute in einer erstaunlich objektiven Art und Weise: so wurden der englische Film „Panzerschiff Graf Spee“ mit Peter Finch in der Rolle des Kapitäns zur See Hans Langsdorff und „Der Stern von Afrika“ über den Brillantenträger Hans Joachim Marseille mit Joachim Hansen in der Titelrolle und Marianne Koch im Mozart-Kino zur Aufführung gebracht. Weniger Tiefgang, aber ebenfalls großes Publikumsinteresse fand der Klamauk „Zwei Bayern in Afrika“ mit Joe Stöckel und Beppo Brem. Besonders beliebt war damals auch das Non-Stop-Kino am Hanuschplatz mit Wochenschauen (Fernsehen war damals noch sehr wenig verbreitet) und Kulturfilmen wie Grzimeks Streifen über das damalige Belgisch-Kongo; im Jänner 1957 war klarerweise der Sportrückblick auf die Olympischen Spiele 1956 in Cortina mit den triumphalen Erfolgen Toni Sailers ein Publikumsmagnet ersten Ranges.

Auch sonst wiesen Stadt und Land ein reichhaltiges Kulturangebot auf, über das von den Medien berichtet wurde. In der 1947 gegründeten Volkshochschule und im 1953 von Sepp Domandl ins Leben gerufenen „Auditorium Academicum“ fanden Vorträge hochkarätiger Wissenschaftler statt wie etwa vom Geographen Egon Lendl, der später erster Rektor der neuen Universität werden sollte. Es gab öffentliche Büchereien in der Hauptstadt und im Land; von der Halleiner Stadtbücherei wurde im Jänner über den Bestand von 10.000 Bänden und einer starken Frequenz durch die Bevölkerung berichtet. Es gab die „Internationalen Ferienkurse für deutsche Sprache und Germanistik“ von Professor Seidlhofer, die im Sommer 1957 u. a. Dichterlesungen von Ina Seidel, Georg Rendl, Reinhold Schneider und Karl Heinrich Waggerl veranstalteten; für letzteren gab es im Dezember eine Reihe von Ehrungen durch Stadt und Land zum 60. Geburtstag; er und Tobi Reiser waren auch für das bis heute bestehende Salzburger Adventsingen verantwortlich.

Im Bildungsbereich waren die höheren Schulen noch weitgehend auf die Hauptstadt Salzburg konzentriert, wodurch sich für die ländlichen Gegenden große Nachteile ergaben. Im Juni 1957 wurde über die Feierlichkeiten zum 340-Jahr-Jubiläum des Gymnasiums, des späteren humanistischen und heute akademischen Gymnasiums, berichtet: es gab einen Festgottesdienst mit Weihbischof Filzer in der Kollegienkirche und eine Gedenkstunde im Studiengebäude mit einer Besinnung auf die Gefallenen der Anstalt. Neben dem Realgymnasium in der Lehener-Kaserne, der Realschule am Hanuschplatz und der Gewerbeschule am Rudolfskai gab es als neuen Schultypus das Werkschulheim Felbertal, das neben der Matura eine Lehrlingsausbildung in verschiedenen Bereichen anbot und das im März 1957 die ersten Absolventen entließ. Ab Oktober gab es dann auch in Salzburg eine Arbeiter-Mittelschule, kurz zuvor fand der feierliche Akt zur Eröffnung der erweiterten Bundesfachschule für Holz-, Stein- und Metallbearbeitung in Hallein durch Bundespräsident Schärf und die Weihe durch Erzbischof Rohracher statt.

Von der „hohen“ Wissenschaft war im Salzburg des Jahres 1957 noch nicht so viel zu verspüren wie 50 Jahre später. Es gab zwar einen Hochschulverein und die 1945 wiederaufgenommenen Hochschulwochen, die sich um eine Wiedergründung der 1810 von den Bayern aufgehobenen alten Universität Erzbischof Paris Lodrons bemühten, aber noch war keine Entscheidung darüber gefallen, ob es eine katholische oder eine staatliche Universität werden sollte; erst 1962 wurde zugunsten einer staatlichen Institution entschieden. Wissenschaftlich geprägt war aber jedenfalls im März 1957 ein Internationaler Ärztekongress in Bad Gastein, bei dem über 400 Ärzte in den Böcksteiner Heilstollen einfuhren und sich von den dortigen Kurerfolgen verblüfft zeigten.

Im Februar 1957 wurden die Domgrabungen wieder aufgenommen, die noch jahrelang weitergeführt wurden. Dr. Trathnigg aus Wels und Dr. Vetters aus Wien waren die Fachleute, die im Februar mit den Fundamentuntersuchungen im Dominneren begannen. Im Mai wurden urgeschichtliche Funde am Adneter Riedl gemeldet, die Siedlungsspuren aus der jüngeren Bronzezeit ergaben, und im Juni berichtete der Salzburger Landesarchäologe Dr. Martin Hell über zwei Axtfunde aus der Siezenheimer Au.

Kulturelle Akzente sind auch in anderer Form gesetzt worden: Lofer ehrte im Jänner den Komponisten Wilhelm Kienzl, der hier im Sommer 1893 den Plan zum „Evangelimann“ gefasst hatte; die Lyrikerin Erna Blaas war die erste Trägerin des Trakl-Preises, der ihr am 2. Februar 1957 im Kaisersaal der Residenz überreicht wurde. Im März gab es eine Presseführung durch das ehemalige Ursulinenkloster, das zur Heimstätte für das neue Haus der Natur unter der Direktion von Eduard Paul Tratz werden sollte. Im gleichen Monat wurde mit einem Festakt in der Residenzgalerie eine Fischer-von-Erlach-Ausstellung eröffnet, im Frühjahr gab es Jubiläumskonzerte der Liedertafeln in Salzburg und Bischofshofen, die feierliche Eröffnung des „Musikalischen Frühlings“ durch Landeshauptmann und Bürgermeister im Carabinierisaal der Residenz und den Ankauf des kulturträchtigen Schlosses Leopoldskron.

Wenn das Amerika-Haus mit finanziellen Kürzungen bei der Vermittlung amerikanischer „Kultur“ zu kämpfen hatte, so waren andere Bemühungen erfolgreicher, wie z. B. die Internationale Briefmarkenausstellung „Juvaba“ im Carabinieri-Saal im Oktober oder der von 10.000 Menschen besuchte Pongauer Heimattag für Brauchtum und Landeskultur in Altenmarkt mit dem Landesobmann Kuno Brandauer. Aufschwung nahm 1957 auch das Vereinswesen, das sich auch in der Erwachsenenbildung bewährte, wie die 1860 gegründete Gesellschaft für Salzburger Landeskunde unter ihrem Vorstand, dem Landsarchivdirektor Dr. Herbert Klein, oder der Stadtverein und der Museumsverein.

Auch das erst wenige Jahre vorher wieder aufgestellte Österreichische Bundesheer trat 1957 verstärkt in den Blickwinkel der Salzburger, vor allem durch die Großkaserne in Wals-Siezenheim und die Garnisonen Glasenbach und Saalfelden, in die im Frühjahr 1.000 Rekruten des Jahrgangs 1937 und im Herbst noch einmal 2. 100 junge Männer einrückten, um im Bereich der Heeresgruppe III ausgebildet zu werden. Die Vereidigung und Angelobung der Jungmänner am damals noch „Tag der Fahne“ genannten 26. Oktober war 1957 noch ein quasi gesellschaftliches Ereignis mit feierlichen Flaggenparaden. Es gab die Gedenkfeiern für die Gefallenen mit ziviler Beteiligung, für die damals noch mit einem Wehrsold von fünf Schilling nicht gerade verwöhnten Soldaten wurden Freikarten für kulturelle Veranstaltungen ausgegeben wie zu Konzertabenden unter Bernhard Paumgartner. Im gleichen Jahr wurde auch Hochfilzen als Gefechts-Schießplatz von Teilen der 6. und 8. (Salzburger) Brigade benutzt, die Unterbringung der Soldaten sollte damals nur in Zelten erfolgen….. Am Gaisberger Mitteregg wurde ein Ehrenmal für die Kaiserschützen enthüllt.

Natürlich spielte auch der Sport in Salzburg eine besondere Rolle, hauptsächlich der Wintersport, der 1957 noch bei weitem nicht so kommerzialisiert war wie fünfzig Jahre später. So erwartete Bischofshofen am 5. Jänner die Weltelite der Schispringer zum heute noch bestehenden Dreikönigsspringen, im selben Monat waren Sportler aus 15 Nationen beim Silberkrugrennen in Bad Gastein beteiligt; das bekannte Sporthaus Hintner stiftete die Siegestrophäe. Begeisterung löste auch der Sieg des Radstädters Walter Habersatter bei der Schweizer Vierschanzen-Tournee aus. Stellte der auch später erfolgreiche BC Salzburg im März sämtliche Neulingsmeister, so war das Schicksal der Austria Salzburg wie so oft in der Vereinsgeschichte einem Wechselbad unterworfen: gab es im März 1957 noch einen schmeichelhaften 3:1-Sieg über Stickstoff Linz, so erlebte man zwei Wochen später ein 8:3 (4:0)-Debakel auswärts gegen Vienna und nach einer neuen Hoffnung mit einem 4:2-Auswärtssieg gegen Simmering Mitte Juni ein 8:0-Debakel gegen den WAC und damit den Abstieg aus der Staatsliga; der „schwärzeste Tag für die Violetten“.

Ein großer sportlicher Erfolg war Anfang Mai trotz des Schlechtwetters das 3. Rupert-Hollaus-Gedächtnisrennen am Lieferinger Rundkurs im Bereich der Autobahn mit dem Österreicher Gerold Klinger als „Held von Liefering“. Fast gleichzeitig gewann die Gasteinerin Thea Hochleitner den 10. Internationalen Zehnerkar-Riesentorlauf mit einer Monsterbeteiligung. Im Juli wurde die auch aus sportlicher Sicht wichtige Zwölferhornbahn in St. Gilgen ihrer Bestimmung übergeben und am 15. August waren 35.000 Besucher beim Gaisberg-Rennen um den Großen Bergpreis von Österreich für Sportwagen beteiligt; Sieger war der Schweizer Daetwyler, der einen neuen Streckenrekord mit 4:54,7 Minuten und einem Schnitt von 105,29 Stundenkilometern aufstellte. Fragen des Umweltschutzes und der Gefährdung der Zuschauer waren 1957 noch nicht aktuell….. Auch der Breitensport war gefragt: Anfang September gab es am Gaisberg bei strahlendem Wetter das übliche Bergturnfest des Salzburger Turnvereins mit 600 Wettkampfteilnehmern, der Obmann des STV Walter Aichinger hatte bereits im März anlässlich des 2. Bundesturntages des ÖTB zu einem turnerischen Festabend im Kongresshaus eingeladen. Im Juli sah Salzburg einen Empfang im Schloss Mirabell zu Ehren der Broad-Peak-Bezwinger Markus Schmuck und seiner Kameraden, von denen Hermann Buhl dabei tödlich verunglückt war.

Der Alltag in Stadt und Land Salzburg sah im Jahre 1957 natürlich anders aus als in heutigen Zeiten, aber in der Rückschau nicht weniger interessant. So wurden die ersten Funkstreifenwagen der Polizei in Dienst gestellt und aus Deutschland kamen Nachrichten über die Erprobung des Radars für den Kampf gegen Verkehrssünder. Ende Jänner gab es noch an die 7.000 Ungarnflüchtlinge, die nach der gescheiterten Revolution vom Herbst 1956 nach Salzburg gekommen waren; in der Nacht vom 11. zum 12. Jänner kam es wie öfters zu Auseinandersetzungen zwischen mehreren Gruppen der Flüchtlinge im Lager Siezenheim, wobei als Ursache die Bevorzugung jüdischer Ungarn bei der Auswanderung in die USA angegeben wurde. Ende Februar wurde in den Medien von Massenvergiftungen ungarischer Flüchtlinge im Lager Glasenbach berichtet, die ins Landeskrankenhaus eingeliefert wurden. Ende Jänner erschien ein Nordlicht über Salzburg, Experten diskutierten über die Lärmbekämpfung, Klagen über die Trinkwasserqualität wurden laut. Am Walserberg entstand ein österreichisch-deutsches Zollamt, die Grenzabfertigung nach Freilassing wurde schon im Autobus vorgenommen.

Der Fasching des Jahres 1957 brachte Höhepunkte mit dem Moll-Ball im Festspielhaus – die Tanzschule Moll in der Siegmund-Haffner-Gasse mit dem Boogie-Kurs wird noch vielen Kameraden in Erinnerung sein -, dem Faschingsball des STV und vor allem dem „Salzburger Faschingsumzug wie noch nie“ Anfang März: er war drei Kilometer lang, 60.000 Menschen waren auf den Straßen und 10.000 klatschten von den Fenstern aus Beifall, 65 närrische Gruppen beteiligten sich, unter anderem auch als Römer verkleidete Bundesheersoldaten. War schon damals der Humor der Salzburger etwas steif, so werden heutzutage andere Formen der Lebensfreude bevorzugt, nicht nur am Rudolfskai….. Es gab einen Alpinia-Ball am letzten Faschingswochenende im Kongresshaus und im „Sternbräu“ den Ball der Freiwilligen Feuerwache Bruderhof und schließlich den Heringschmaus in den Salzburger Gaststätten, allen voran der im Bahnhofsrestaurant mit Küchenchef Helmut Koller; die Schau-Parade Neugieriger gehörte damals dazu.

Im März wurde ein Schaufrisieren im Hotel Pitter veranstaltet, die Bevölkerung wurde von einem Plan des Innenministeriums für den Abzug der Gendarmerieschule von der Festung Hohenwerfen informiert und war im Juni empört über die Erhöhung des Bierpreises auf 2,90 Schilling für die Halbe, was der Arbeiterkammer zu viel war. Am 19. Juni waren 4.000 (!) Salzburger bei der traditionellen Turner-Sonnwendfeier auf der Zistel, einer „eindrucksvollen Kundgebung der Treue zu Volk, Heimat und Vaterland“, bei der Albert Schmid die Feuerrede hielt. Am 24./25. August feierte Mittersill die Markterhebung von 1357 mit einem Volksfest und einem Festzug, am 1. September fand die Fahnenweihe des Salzburger Südtirol-Verbands mit Abordnungen aus Südtirol statt, dessen nationale Zwistigkeiten zu Verstimmungen zwischen Bozen und Rom bzw. Wien führten und damals zur Tagesordnung gehörten.

Die traditionsreiche Salzburger Dult wurde am 14. September von Bürgermeister Pacher und seinem Vertreter Weilhartner im Schwarz-Park an der Vogelweiderstraße eröffnet, im Radio wurden die Salzburger u. a. von der Rätselsendung „Faß das Glück“ mit Heinz Conrads und Norbert Pawlicki unterhalten, die auch eine populäre Sonntagmorgen-Sendung gestalteten; in Radio Salzburg war der beliebte Sprecher Paul Horn tätig. Schlagzeilen machte auch eine Gams, die jeden Tag vom Kapuzinerberg in die Schallmooser Hauptstraße und in die dortigen Häuser kam. Gaben sich die Stadtbewohner im Advent 1957 einem „Käuferansturm wie noch nie“ in einem gut florierenden Weihnachtsgeschäft hin, so ließen sie sich im Sommer von den Darbietungen des Zirkus Rebernigg und des Zirkus Krone unterhalten. Gesprächsthema wie heute war natürlich das Wetter: im Juni gab es ein schweres Unwetter über der Stadt, die Straßen waren überschwemmt, das Nelböck-Viadukt stand unter Wasser und für die Ausstellung „Gastliches Österreich“ gab es eine Katastrophe; im Land waren außer einem schweren Gewitter in Lofer keine anderen Witterungsunbilden zu verzeichnen. Anfang Juli wurde Salzburg von einer Hitzewelle mit 36 Grad (40 Grad in Wien) heimgesucht, im Dezember von einem heute kaum mehr glaublichen Wintereinbruch mit 8,5 Minusgraden, Schneefall und Straßenglätte.

In diesem Rahmen entstand durch engagierte Männer die Salzburger Offiziersgesellschaft, der anzugehören auch der Autor die Ehre hat. Mögen ihre Leistungen in den letzten 50 Jahren zur Stützung des Wehrgedankens und der Funktionalität unseres Bundesheeres auch weiterhin Bestand haben, und das trotz des Niedergangs vieler unserer Werte, für die gerade das Jubiläumsjahr 2007 eine traurige Zäsur darstellt. Trotzdem!!


–> Brauchen wir eine Offiziersgesellschaft neu?