Syrienkrieg und Medien

Informationen, welche die Mainstreammedien verschweigen

Zusammenfassung des Vortrages von Brigadier i.R. Prof. Dr. Horst Mäder anläßlich der Hauptversammlung der OG Salzburg am 27.03.2017

 

Brigadier i.R. Prof. Dr. Horst Mäder bei seinem Vortrag in Salzburg

Brigadier i.R. Prof. Dr. Horst Mäder bei seinem Vortrag in Salzburg

 

Der australische Prof. Dr. Tim Anderson (er liest Politische Ökonomie an der Universität von Sydney), hat in seinem Buch Der Schmutzige Krieg gegen Syrien (2016) in seinem Einführungskapitel geschrieben:
„Obwohl jeder Krieg Lügen und Täuschungen enthält, baut  der schmutzige Krieg gegen Syrien auf einem Niveau von Massen-Desinformation auf, das noch nie in der erlebten Erinnerung gesehen worden ist…..“

Einiges über Syrien

Der Staat ist nominell  eine Demokratische Sozialistische Volksrepublik mit einem Präsidialsystem. Seit dem Jahr 2000 ist Bashar al-Assad an der Macht als Präsident und Chef (Generalsekretär) der seit 1963 herrschenden Arabischen Baath-Partei. Sein Clan beherrscht das System.

Die Bevölkerungsgruppen im Land nach ihrer Religion sind: 74% Sunniten, 12 % Alawiten (schiitische Abspaltung), 10% Christen, 3% Drusen (schiitische Abspaltung); sowie Juden und andere Minderheiten.

In religiöser Hinsicht war  das Baath-Regime tolerant. Nicht nur Sunniten und Schiiten, Drusen und Ismailiten, sondern auch die Christen sowie die wenigen verbliebenen Juden konnten in Syrien ungehindert ihre Religion praktizieren. 

Das Baath-Regime erschien vielen Syrern das geringere Übel im Vergleich zu den Muslimbrüdern (polit. sunnitische Organisation, wollen islamistischen Gottesstaat!!, sind in Syrien verboten), die sich schön früher gegen den säkularen arabischen Nationalismus aufzubäumen drohten. (Aufstand in HAMA 1982 nieder­geschlagen)

Doch es war eine Diktatur, die viele mit ihrem Leben bezahlten, es hat eine gespenstische Geheimpolizei und es wird gefoltert.   Nur in Syrien? (Vgl. Saudi-Arabien, Türkei und andere Länder, die auch im Auftrag der CIA, wie in Guantanamo, aus Entführten „Informationen zu gewinnen“ hatten.)

Kenner des Landes gestehen Präsident Bashar al Assad guten Willen auch in anderen Belangen zu.   Zweifellos sei das Land keine Demokratie und kein Menschenrechtsstaat, sagen sie, aber Assad bemühe sich, dorthin zu kommen.

Worunter diese etwa 70 bis 80 Prozent der syrischen Bevölkerung, die im Machtbereich der Regierung Assad leben, am meisten leiden, sind die Sanktionen und Embargos des Westens (2004-USA; 2011 –EU).

Die Entwicklung seit 2001

Nach Aussagen des ehemaligen Oberkommandierenden des strategischen NATO-Kommandos Europa (SACEUR), General Wesley Clark, begann die US-Regierung bereits unmittelbar nach den Terrorschlägen am 11. September 2001 (9/11) mit den Planungen des Regimewechsels in sieben Ländern, die von den USA als Gegner angesehen wurden, darunter Irak, Libyen und auch Syrien.

Der renommierte Journalist Seymour Hersh  hat 2007 aufgedeckt: Um dort dieses Ziel zu erreichen, haben die USA seit 2005 die Rahmenbedingungen geschaffen. Dazu gehörte neben zahllosen medialen Propagandaaktionen gegen die Assad-Regierung die Finanzierung und Ausbildung einer Armee von Terroristen gemeinsam mit Israel, der Türkei und Saudi-Arabien. („The Rediriction“; The New Yorker; 5.3.2007)

Welche Interessen verfolgen die diversen Mächte in der Region?

USA:

Die NEOCONS in der US Politik (eine „neokonservative“ Strömung seit etwa 1997 in allen Administrationen vertreten) entwickelten einen langfristig zu verfolgenden Plan: „The New Middle East“. Dieses Projekt hat die Teilung von Staaten zum Ziel. Durch die Verursachung von Instabilität, Chaos und Gewalt mittels der  westlichen Geheimdienste durch verdeckte Operationen soll das erreicht werden.   (Irak, Afghanistan, Libyen u.a.) Durch Teilung von Staaten will man einen leichteren Zugang zu den natürlichen Ressourcen, vor allem Erdöl und Erdgas sowie deren Transportwege (Pipelines), erhalten.

Julian Assange, der Gründer von WikiLeaks (Internet-Plattform, die Geheim-Dokumente veröffentlicht), erklärte im September 2015, dass bereits 2006 Depeschen aus der US-Botschaft in Damaskus von einem „Destabilisierungs­plan gegen die Assad-Regierung“ durch Geheimdienstaktionen sprachen. Es sollen Feindseligkeiten zwischen  ethnischen und religiösen Gruppen  geschürt werden.

Die westlichen Medien  berichten, dass der Konflikt ein „Bürgerkrieg“ sei, der durch einen internen Kampf zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden charakterisiert sei. Richtig ist, dass der Nahe Osten durch Kräfte von außen in ein Pulverfass verwandelt wurde, das jederzeit mit dem richtigen Auslöser explodieren kann. 

RUSSLAND:

Russland hat wichtige geostrategische Interessen im Nahen Osten und im östlichen Mittelmeerraum.

Moskau ist darauf bedacht, Iran und Syrien zu unterstützen, da diese der geopolitischen Rolle der USA in der Region kritisch gegenüberstehen. Dies scheint die einzige Möglichkeit für Russland zu sein, seinen ohnehin beschränkten Einfluss im Nahen Osten zu wahren.

Russland will auch den Tiefwasserhafen in der Stadt Tartus weiterhin nutzen. Tartus ist heute der einzige Mittelmeerstützpunkt der russischen Marine.

Die zentrale strategische Frage, durch die das Assad-Regime für Russland Bedeutung erhält, ist jedoch die Infrastruktur der Gas-Pipelines der Region. (Dazu siehe später.)

IRAN:

Iran als enger Partner von Syrien fürchtet um seine schiitische Achse, die zwischen Teheran, Damaskus und der libanesischen Partei und Miliz Hisbollah besteht. Iran erhält von Syrien Hilfe bei der Unterstützung der schiitischen Hisbollah, die im Südlibanon gegen Israel kämpft. (Bis vor einiger Zeit wurde auch die palästinensische sunnitische HAMAS im Gazastreifen unterstützt.) Teheran hilft deshalb Damaskus durch Waffenlieferungen und durch die Entsendung von gut ausgebildeten Kämpfern.

SAUDI-ARABIEN:

Zwischen der sunnitisch-wahhabitischen Monarchie in Riad und dem schiitischen Mullah-Regime in Teheran besteht ein langjähriger religiöser und regionaler Konkurrenzkampf. Es geht vor allem um die Vormachtstellung in der Region und um Ressourcen. Natürlich besteht auch die  Rivalität um die religiöse Führerschaft in der muslimischen Welt, zwischen Iran und Saudi-Arabien.

In Syrien soll nach Riads Vorstellungen das alawitische System  durch ein sunnitisch-wahhabitisches ersetzt werden.

KATAR:

Das Anliegen des sunnitischen Katars in der Syrien-Krise ist, neben den religiösen Ambitionen, auf die Erschließung neuer Verbindungswege für den Abtransport von eigenem Öl und Gas in Richtung Mittelmeerküste zurückzuführen. Denn bisher müssen diese Güter auf Schiffen (verflüssigtes Gas) mit dem Umweg über den Suez-Kanal transportiert werden, was zusätzlich Zeitverlust und Kosten bringt.

TÜRKEI:

Es scheint, dass vor allem Erdogan sein Kurden-Problem lösen will und dürfte ein Gebiet in Nord-Syrien südlich der türkischen Grenze für die Aussiedelung seiner Kurden vorsehen. Vor allem will er ein autonomes Kurdengebiet- wie es die syrischen Kurden wollen und die irakischen Kurden bereits haben – unter allen Umständen verhindern. Denn das wäre für die türkischen Kurden ein Nachahmungsbeispiel.

Auch die Vorstellung Erdogans, Sultan in der Türkei und in der Levante zu werden und die Alawiten bzw. Schiiten in Syrien und im Libanon zu beherrschen, scheint bei ihm große Bedeutung zu haben.

ISRAEL:

Israel und Syrien verbinden unmittelbar zwei Konfliktbereiche: erstens die von Israel seit 1967 besetzten Golanhöhen. Zweitens die Partnerschaft von Damaskus mit Teheran (dem behaupteten größten Feind Israels) und dadurch die Unterstützung extremer  Palästinenser Gruppen sowie der vom Iran geförderten Hisbollah im Libanon, insbesondere deren bewaffnete Miliz im Südlibanon, die gegen Israel kämpft.

Die Golan-Höhen gehören noch immer zu Syrien, obwohl sie von Israel 1967 erkämpft und 1981 – ohne internationale Anerkennung – annektiert worden waren. Bekanntlich stehen sie unter UN-Kontrolle. Im Jahr 2013 wurde auf  den Golanhöhen ein riesiges Ölfeld entdeckt. Der Ölfund hat nun letztlich die Golanhöhen zu einem strategischen “Preis” gemacht. Jede israelische Regierung wird daher  den Sturz des Assad-Regimes und die Zerstörung des syrischen Staates fördern, um damit de facto eine irreversible israelische Okkupation des Golan und seines Öls herbeizuführen. 

Konflikt um den globalen Energiemarkt

Die Saudis begannen seit dem Jahr 2000 gemeinsam mit Katar eine Gas-Pipeline zu planen: sie soll vom Golf durch Saudi Arabien, Jordanien, Syrien bis nach Kilis in die Südtürkei verlaufen, von wo das Gas weiter nach Westeuropa geleitet würde. Die USA unterstützen diesen Plan.

Auch eine andere Gas-Pipeline – eine aus dem Iran – soll es geben. Katar teilt mit dem Iran das Gasfeld South Pars/North Dome, der (bis jetzt) weltweit reichsten Erdgas-Lagerstätte. Das internationale Handelsembargo hat bis vor kurzem Iran den Verkauf von Gas an das Ausland verboten.

In der Zwischenzeit erreicht Katars Gas Europäische Märkte nur, wenn es verflüssigt  und über See verschifft wird. Das beschränkt das Volumen  und steigert die Kosten. Katar würde  eine entscheidende Dominanz am Welt-Erdgas-Markt erleben. Damit würde Russlands Gazprom einen echten Konkurrenten bekommen – vor allem am wichtigen europäischen Markt.

Im Jahr 2009 kündigte Assad an, dass er die  Unterzeichnung des Abkommens mit Saudi-Arabien und Katar, betreffend  die Pipeline durch Syrien, „zum Schutz der Interessen unserer russischen Verbündeten“ ablehnt. Solange Assad in Syrien herrscht, wird diese Pipeline nicht gebaut werden, weil Russland diese Konkurrenz unbedingt verhindern will.

Assad akzeptierte aber eine russisch-gebilligte „islamischen Pipeline“ mit Iran. Es wurde die Konstruktion einer Pipeline zwischen Teheran, Damaskus und Bagdad vereinbart, die Erdgas von der iranischen Seite des Gasfeldes durch Irak und Syrien zu den Häfen des Libanon führen und auf den Weltmarkt bringen soll.  Für die Russen ist Syrien deshalb von enormer strategischer Bedeutung, weil die Russen der größte Erdgas-Lieferant nach Europa bleiben wollen.

Geheime Depeschen und Berichte von den US, saudischen und israelischen Geheimdiensten – die von WikiLeaks veröffentlicht wurden -, geben bekannt, dass im Moment als  Assad die Katar- Pipeline ablehnte, militärische und geheimdienstliche Planer schnell darauf einig wurden, dass ein sunnitischer Aufstand in Syrien zu schüren sei, um den unkooperativen Bashar Assad zu stürzen und das ein machbarer Weg für das gemeinsame Ziel der Katar/Türkei-Gas-Pipeline sei.

Laut WikiLeaks begann im Jahr 2009 auch die CIA, kurz nachdem Bashar Assad die Katar-Pipeline abgelehnt hatte, Oppositionsgruppen in Syrien zu finanzieren. Es ist wichtig zu beachten, dass dies lange vor dem „Aufstand“ (2011) gegen Assad war!

Neuentdeckte Erdgasfelder

Es gibt  geologische Untersuchungen, nach denen im östlichen Mittelmeerraum, dem Levante-Becken, riesige Reserven von Erdgas zu finden sind und Syrien neben Israel, Libanon und Zypern zu den neuen erdgasreichen Staaten gehören könnte. Der „Clou“ sei jedoch die Entdeckung von riesigen Gasfeldern bei Tartus, die Syrien erdgasreicher als Katar machen könnten. Dies ist einer der Gründe, warum Syrien, im Zentrum der kolossalsten Gasreserven des Planeten liegend, von strategischer Bedeutung ist (und angegriffen wird).

 

Zum bewaffneten Kampf um Syrien

Weder Aufstand noch Bürgerkrieg

Im Februar 2011 kam es erstmals zu Demonstrationen gegen und für Assad  in Syrien, die dann ab Mitte März gewaltsam wurden.

Prof. Tim Anderson berichtet (mit Belegen), dass bereits vor dem März 2011 Waffenlieferungen aus Irak für Terroristen abgefangen wurden. Dennoch erreichten weitere – aus der Türkei und Jordanien – Syrien. 

Die Massenmedien des Westens sprachen von „Aufstand der Syrer“. Aus Deserteuren und Oppositionellen hätte sich eine „Freie Syrische Armee“ gebildet, die gegen die Sicherheitskräfte des Assad-Regimes kämpfte. Das stimmt mit Sicherheit nicht, sie wurde in der Türkei, Jordanien u. Irak  aufgestellt, bestand in der Masse aus Söldnern, die aus Libyen eingeschleust wurden. Einige ihrer Führer sind langjährige al-Qaida-Aktivisten.

Der deutsche Univ.Prof. Günter MEYER (Zentrum für Forschung zur Arabischen Welt an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz ) sagte dazu: „Zweifelsohne gibt es Syrer, die gegen die syrische Regierung sind, und sogar Syrer, die mit Waffen gegen die Regierung gekämpft haben und damit gegen das syrische Volk, aber von Anfang an (tatsächlich schon vor dem Beginn) ist dieser Krieg aus dem Ausland betrieben worden. Ihn als Bürgerkrieg zu bezeichnen, ist eine falsche Bezeichnung, genauso wie die Bezeichnung derjenigen, die mit Waffen kämpfen, als Opposition. Es ist kein Bürgerkrieg und diejenigen, die gegen die syrische Regierung kämpfen, sind keine Opposition.“ 
(heute.de-Interview, 21.12.2016)

Auch der angesehene Autor (und im August 2014 verstorbene) Journalist Peter Scholl-Latour schreibt in seinem Buch  „Der Fluch der bösen Tat“ nach örtlichen Recherchen und mit großem Überblick unverfänglich über die Fakten, genauso wie Prof. Tim Anderson: Schon lange vor Ausbruch der lokalen Revolten in Daraa und Homes wurden Söldner angeworben, ausgebildet, bewaffnet, bezahlt und eingeschleust….“ . Das Buch eines CIA-Agenten bestätigt den Einsatz gegen Syrien. Der ehemalige CIA-Agent, Douglas Laux , der verdeckt im Feld im Einsatz war, hat ein Buch veröffentlicht, in dem er zugibt, dass er Teil einer top-geheimen US-Einsatzgruppe war, um mit Terroristen die Assad-Regierung zu stürzen und den Krieg in Syrien anzustiften. („Left of Boom: How a Young CIA Case Officer Penetrated the Taliban and Al-Qaeda“)

Der Schweizer Historiker Dr. Daniele Ganser kommt in diversen Statements (siehe Youtube) ebenfalls zu dem Schluss:  „Es war kein Aufstand und ist kein Bürgerkrieg, sondern ein getarnter Angriffskrieg ausländischer Mächte.“

Man kann daher mit Sicherheit feststellen, dass der Vorgang in Syrien kein Aufstand der syrischen Bevölkerung war!! Denn die Bevölkerung war nicht mehrheitlich gegen den syrischen Präsidenten und seine Regierung. Sogar ein interner NATO-Bericht (vom Juni 2013), der die Positionen der syrischen Bevölkerung angibt, hält fest, dass über 70 % der Syrer Präsident Bashar al-Assad unterstützen. 20% seien ohne Meinung und 10 % unterstützen die „Rebellen“. (Wogegen rebellieren ausländische Kämpfer?)

Zum Problem der politischen Opposition in Syrien erklärt Prof. Tim Anderson: „Die politische Opposition innerhalb Syriens hatte sich von Beginn an von den Islamisten losgesagt und ging auf die Seite des Staates, der Regierung“.

Augenzeugen

Es gibt neben den aus dem Ort des Geschehens berichtenden Journalisten (Karin Leukefeld,  Peter Scholl-Latour, Vanessa Beeley u.a.)  auch andere Augenzeugen, von denen hier nur drei exemplarisch genannt werden und die alle das Gleiche berichten. Sie bestätigen die Intervention der unterschiedlichsten ausländischen Einflussgruppen und die Fakten.

Die Nachrichtenagentur des Vatikans, „Agenzia Fides“, veröffentlichte am   4. Juni 2012 den Bericht eines Augenzeugen vom Geschehen in Syrien, dem französischen Bischof Philip Clos.

Auch die  irische Nobelpreisträgerin  Maired Maguire berichtet von ihrer Reise durch Syrien Ende 2016.

Am 24. Jänner dieses Jahres (2017) findet sich ein Interview in der belgischen Zeitung Algemeen Dagblad mit dem flämischen Pater Daniël Maes (78). Er lebt im byzantinisch-katholischen Mar-Yakub-Kloster, in der syrischen Stadt Qara, knapp 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt Damaskus.

Pater Daniel: „Die Vorstellung, dass ein Volksaufstand gegen Präsident Assad stattgefunden hat, ist vollkommen falsch. Ich bin seit 2010 in Qara, und ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Unruhestifter aus dem Ausland Proteste gegen die Regierung organisierten und junge Leute rekrutierten. Das wurde gefilmt und bei Al Jazeera (TV Sender aus Qatar; Anm.) ausgestrahlt, um den Eindruck zu vermitteln, dass ein Aufstand stattfindet. Ausländische Terroristen begingen Morde gegen sunnitische und christliche Gemeinden, um im syrischen Volk religiöse und ethnische Konflikte zu schüren. Doch in meiner Erfahrung war das syrische Volk sehr einig. Vor dem Krieg war dies ein harmonisches Land, ein säkularer Staat, wo verschiedene Religionen friedlich nebeneinander lebten. Es gab kaum Armut, die Bildung war kostenlos, und die Gesundheitsversorgung war gut. Zwar konnte man politische Ansichten nicht frei äußern. Doch den meisten Menschen war das egal. … Es ist ein Wunder, dass wir noch am Leben sind. Wir verdanken das der Armee der Assad-Regierung und Wladimir Putin, weil er entschieden hat einzugreifen, als die Aufständischen die Macht zu übernehmen drohten.

Als Tausende Terroristen sich in Qara niederließen, bekamen wir Angst um unsere Leben. Sie kamen aus den Golfstaaten, Saudi-Arabien, Europa, der Türkei, Libyen. Und es gab viele Tschetschenen. Sie bildeten eine ausländische Besatzungsmacht und hatten alle Verbindungen zu Al-Qaida und anderen Terroristen. Sie waren bis zu den Zähnen bewaffnet vom Westen und dessen Verbündeten. […] Sie haben wörtlich gesagt: „Dieses Land gehört jetzt uns. Oft standen sie unter Drogen, sie bekämpften einander, am Abend schossen sie willkürlich in die Luft. … Als die syrische Armee sie wegjagte, waren alle froh und glücklich. Die syrischen Bürger, weil sie die ausländischen Rebellen hassten, und wir, weil der Frieden zurückkehrte.“

Im Hinblick auf Berichte über angebliche Kriegsverbrechen der Assad-Truppen, etwa Luftangriffe mit Fassbomben, sagt Pater Daniel Maes: „Die Medien­berichte über Syrien sind die größte Medienlüge unserer Zeit. Sie haben reinen Unsinn über Assad verbreitet. In Wirklichkeit waren es die Rebellen, die plünderten und töteten. Glauben Sie, dass das syrische Volk dumm ist? Glauben Sie, dass diese Menschen gezwungen wurden, Assad und Putin zuzujubeln. … Es sind jene vom Westen unterstützten radikalen islamistischen Rebellen, die uns massakrieren wollen. Sie sind alle Al-Qaida und IS. Es gibt keine gemäßigten Kämpfer mehr. …“

Kampf um Demokratie?

Der deutsche Exminister Dr. Andreas von Bülow erklärt in einem Interview „zum Konflikt mit Assad“, das auf „Youtube“ zu sehen ist, ganz klar und ausführlich: „In Wirklichkeit geht es nicht um Moral, Gesellschaft, Demokratie, sondern um Macht, Öl, Verkehrswege, Pipelines …. Dafür gibt es in Wirklichkeit Staatsverschwörungen.“

Das lässt sich auch beweisen. Am 26.2.2012  fand das Referendum für eine neue Verfassung in Syrien statt. Es ging mit der neuen Verfassung darum, das fünfzigjährige Einparteiensystem mit der neuen Verfassung zu beenden und demokratische Vielfalt und Mitsprache einzuführen. 14,5 Millionen wahlbe­rechtigte Syrer konnten ihre Meinung abgeben.  Bei einer Wahlbetei­ligung von 57 Prozent stimmten 89 Prozent für die neue Verfassung. Die Syrer haben damit deutlich ihren Wunsch für einen friedlichen demokratischen Wandel geäußert. Aber was passiert? Die westlichen Politiker und Medien reagieren ablehnend und ignorieren das eindeutige Resultat. Diese Reaktion zeigt, der Westen will gar keine Demokratie in Syrien. Die westlichen Mächte wollen Chaos, Krieg und eine sunnitische Marionettenregierung einsetzen.

„Moderate Rebellen“? 

Prof. Günter Meyer erklärte dazu: „Die USA betonen immer, dass sie gemäßigte Rebellengruppen unterstützen. Die spielen aber keine Rolle mehr. Diejenigen, die von den USA ausgebildet und mit Waffen ausgestattet wurden, sind größtenteils zu den radikalen Dschihadisten übergelaufen, weil sie dort wesentlich besser bezahlt werden.“

Auch US Vizepräsident Joe Biden hat bei seiner Rede am 2.10. 2014 an der Universität Havard festgestellt: „Moderate Kämpfer gibt es nicht in Syrien. Die einzig Moderaten, die die USA in Syrien gefunden hätten, seien ‚Geschäftsleute‘“ (zitiert in LEUKEFELD, S.220).

Welche Kräfte kämpfen gegen die Syrische Arabische Armee?            

Terroristische Dschihadisten!!!  Egal wie sie sich nennen: Der „Islamische Staat“ (IS, DAESH), „Islamische Front“ (IF), Dschabhat al Nusra (Nusra Front), neuer Name: Dschabhat Fatah al-Scham. Sie werden vom WESTEN  unterstützt!!

Gegen die Syrische Armee kämpfen auch Spezialkräfte (Special Forces) und Geheim­dienste aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Türkei, Israel, Saudi-Arabien, Katar u.a.  Nach der Inbesitznahme von Ost-Aleppo, Mitte Dezember 2016, gelangten namentlich genannte 14 Offiziere und Geheimdienstleute aus NATO-Staaten (US, GB, Frankreich, Deutschland, Türkei), Saudi-Arabien, Marokko, Katar und Israel in syrische Gefangenschaft. (US-Europäische Internetplattform „21st century wire“; 15.12.2016). Darüber wurde in den westlichen Medien natürlich nicht berichtet!

Der Einsatz von chem. Kampfstoffen durch  Syrien

Prof. Tim Anderson berichtet in einem Interview (zu sehen auf Youtube) über den Einsatz von chemischen Kampfmitteln in Syrien: Er hat in seinem Buch die Fälle aufgelistet, wo die Dschihadisten und nicht wie behauptet die syrischen Truppen der Regierung, diese Einsätze durchgeführt haben. Es gibt auch klare Beweise dafür, dass vor allem die Türkei die Kampfstoffe an die Dschihadisten geliefert haben. Dazu gibt es immer wieder Gräuelerzählungen, falsche Informationen und Behauptungen und Operationen unter falscher Flagge, um eine Intervention von NATO-Kräften in Syrien herbeizuführen (wie in Libyen!)

Zum Einsatz russischer Kräfte 

Ohne die militärische Intervention Russlands ab Oktober 2015 wäre inzwischen nicht nur Aleppo komplett von den Dschihadisten erobert worden. Auch die Assad-Regierung wäre längst zusammengebrochen. Damit hätten die Assad-Gegner unter Führung der USA ihr Ziel des Regimewechsels zwar erreicht. Die Macht hätten jedoch die stärksten militärischen Kräfte an sich gerissen. Und das wären die islamistischen sunnitischen Extremisten.

Lösungsmöglichkeiten des Konflikts?

Dafür gibt es zumindest zwei Wege.  Der eine ist die weitere militärische Unterstützung für Präsident Assad bis zur Rückeroberung des gesamten Landes. Dabei konzentrieren sich die Kämpfe zunächst vor allem auf die verbliebenen Hochburgen der islamistischen Milizen in der Provinz Idlib, im Raum Rakka (AL Raqah) und im Süden von Damaskus. Der zweite Weg wäre die Aufnahme von innersyrischen Verhandlungen über eine friedliche Lösung. Dazu sagte Prof. Günter Meyer: „Alle diplomatischen Initiativen der Vergangenheit sind vor allem daran gescheitert, dass der Westen politisch vor allem auf die syrische Auslandsopposition (Anm: mit Dschihadisten !!) gesetzt hat, obwohl diese keinen Rückhalt in Syrien hat. Dagegen liefen die Forderungen Assads darauf hinaus, einen innersyrischen Dialog zu führen. Ein solcher innersyrischer Dialog mit der Zielsetzung einer politischen Lösung könnte tatsächlich eine Chance für den Frieden sein … Dass die USA wieder begonnen haben, die „moderaten Rebellen“ mit Waffen zu beliefern, ist da wenig hilfreich….“ 

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat während seines Wahlkampfes erklärt, die bisherige Politik seiner Vorgänger mit dem Ziel, einen Regime­wechsel in Syrien herbeizuführen, nicht fortsetzen zu wollen. Seine Absicht sei es, den Kampf gegen den IS und andere islamistische Terroristen zu verstärken. Dazu sei ihm jeder willkommen, der ihn unterstützt. Offen bleibt, ob Donald Trump hält, was er im Wahlkampf versprochen hat. 

Noch im Februar d.J. galten als mögliche „Sicherheitszonen“ der Akteure USA, Russland, Türkei und die Gebiete des IS wie in der Grafik ersichtlich:

Graphik Sicherheitszonen

Seit jüngster Zeit kursiert ein Plan der RAND Corporation (US Think Tank, den NEOCONS nahestehend)  zur Aufteilung Syriens in Einflusszonen. (SDF sind Kräfte der syrischen Kurden, die von den USA unterstützt und von der Türkei bekämpft werden.)

Für die Gegner von Präsident Assad scheint daher eine Teilung Syriens eine beschlossene Sache zu sein. Die Frage bleibt offen, ob das Russland und Iran akzeptieren werden.

Graphik Teilung Syriens

Zusammenfassung

Der Krieg in Syrien ist ein von ausländischen Mächten bewirkter, lange vorbereiteter Stellvertreterkrieg. Die ausländischen Mächte sind: USA, Frankreich, Großbritannien und Israel sowie Saudi-Arabien, Katar und die Türkei.

Deren Interessen sind Erdgas, Erdöl und Pipelines sowie Gebietsveränder­ungen und regionale Aspekte. Den ausländischen Mächten ist jedes Mittel zur Erreichung ihrer Ziele recht: Krieg, Desinformation, fals-flag-Operationen, Lügen usw., um ihre Ziele zu erreichen.

Das Internationale Recht wird missachtet, wenn es um nationale Interessen geht. (Die westlichen Kräfte haben nicht das Recht, auf syrischen Boden zu kämpfen, weil sie die syrische Regierung nicht dazu ermächtigt hat. Sie verletzen das Völkerrecht darüber hinaus, weil sie ausländische Kräfte –Dschihadisten – bewaffnen und unterstützen, um die gewählte syrische Regierung zu stürzen.)

(UNO Charta , 1945, Kapitel 1, Artikel 2, Absatz 4: „Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.“)

Die westlichen Medien unterstützen den Stellvertreterkrieg der westlichen Mächte durch Falsch- und Nichtinformationen.

Durch die Teilung Syriens würde die Zerstörung einer in sich gefestigten Nation erfolgen, die derzeit noch als funktionierender Staat existiert!!

Der tiefe strategische Hintergrund ist der (politische, wirtschaftliche und militärische) Kampf um die Position der imperialen alleinigen Weltmacht gegen die wichtigsten Gegner Russland und China.

—————————————

Quellen:

Prof. Dr. Tim Anderson – Der schmutzige Krieg gegen Syrien (2016)

Dr. Daniele Ganser – Illegale Kriege (2016), Referate

Prof. Dr. Günter Meyer  Universität MAINZ, leitet das Zentrum für Forschung zur Arabischen Welt. Interview in heute.de , 20.12.2015; in Bayern 2, 25.1.2012; in SWR1, 21.9.2016; faz.net, 29.9.2015

Paul Craig Roberts – Amerikas Krieg gegen die Welt (2016)

Peter Scholl-Latour- Der Fluch der bösen Tat (2014)

Peter Scholl-Latour – Arabiens Stunde der Wahrheit (2013)

Karin Leukefeld – Flächenbrand (2016)

Rainer Hermann – Endstation Islamischer Staat (2015)

Thierry Meyssan – zahlreiche Berichte auf Voltairenet.org

Dokumente veröffentlicht auf WikiLeaks

Zahlreiche Blogs aus dem Internet