Im Gedenken an General i.R. Mag. Engelbert Lagler

General i. R. Mag. Engelbert LAGLER ist am 17. Juni 2022 in seinem Heimatort LOHNSBURG im 83. Lebensjahr verstorben.

Irgendwo in der Nähe von Fuschl hatten wir uns verschanzt. Es war während des Allgemeinen Offiziers-Anwärter-Kurses. Als ein Helikopter landete, sprach sich schnell herum, dass es der Militärkommandant sei, der uns inspizierte. Er ließ uns nicht zu einer großen Belehrung antreten, sondern kam zu unserer Stellung, ging von Schützengruppe zu Schützengruppe und suchte das Gespräch. Einen meiner Kameraden, zwei Schützenlöcher von mir entfernt, fragte er, wie genau er sich denn seine Deckung vorstelle, wenn sich der Angreifer von dort oder von da nähern würde. In aller Ruhe, geradezu freundschaftlich, nahm sich der Herr Divisionär Zeit, eine Fehlbeurteilung aufzuklären und neue Einsicht in richtiges Verhalten zu vermitteln. Genau so habe ich ihn später im Vorstand der Offiziersgesellschaft immer wieder erlebt. Er strebte Aufklärung an, vernünftige Lösungen, und Verständnis für notwendige Maßnahmen der Landesverteidigung. Im Rückblick fällt mir auf, dass dieser Persönlichkeitszug zu seinem nebenberuflichen Studium der Erziehungswissenschaft in Klagenfurt und Salzburg passt.

Geboren wurde Engelbert Lagler am 12. Juli 1939 in Wels. Nach der Matura in Wels rückte er in die SCHWARZENBERG-Kaserne zur Artillerie ein. Nach Absolvierung der Theresianischen Militärakademie musterte er 1961 zum Feldjägerbataillon 13 in RIED aus – dem späteren Panzergrenadierbataillon 13.

Von 1963 bis 1964 absolvierte er den Infantry Officers Course und den legendären Ranger Course in den USA. Nach seiner Rückkehr wurde er Hauptlehroffizier für Panzerabwehr an der Jägerschule in Saalfelden.

Nach der Generalstabsausbildung hatte er verschiedene Funktionen im Verteidigungsministerium inne. 1975 wurde er Kommandant des Panzergrenadierbataillons 13 in Ried im Innkreis. Daraufhin wirkte er als Stabschef beim Militärkommando Salzburg und beim II. Korps.

1982 übernahm er die Führung des damals divisionswertigen Militärkommandos Salzburg. 1994 wurde er zum Kommandanten des II. Korps bestellt und prägte in dieser Funktion über Jahre hinweg die Bundesheerverbände im Westen, damals etwa 12.000 Soldaten in Präsenz, 2.600 Räderfahrzeuge sowie rund 430 Kettenfahrzeuge. Engagiert setze er sich für den Aufbau der Einsatzverbände ein, wichtig war ihm die Ausbildung der Miliz und auch der Ausbau der festen Anlagen.

Seine Familie bedeutete ihm sehr viel, und in der Pension hatte er ganz besonders Freude an seinen Enkelkindern.

Engelbert LAGLER ist Autor mehrerer Bücher und Fachartikel auf dem Gebiet der Ausbildung, der Taktik, und der Wehrpolitik. Im Handbuch „Ausbilderpraxis“ beispielsweise schrieb er über das Machbare und warnte vor unerfüllbaren Idealen. Unvergesslich ist für mich die messerscharfe Analyse in seiner militärhistorischen Publikation „Die Unvollendete: das Österreichische Bundesheer von 2005 – 2013“.

An der Offiziersgesellschaft schätzte General LAGLER, dass sie als warnende Stimme auch dann aktiv für das Heer eingetreten war, wenn es darum ging, aktiv Veränderungen zu erreichen. „Durch die Offiziersgesellschaft wurden uns viele Wege geebnet und Möglichkeiten erschlossen, vor allem aber hat sie verhindert, dass sich das Heer auf ‚sich selbst‘ zurückziehen konnte, denn sie war stets auch eine unserer Schnittstellen zur Gesellschaft“, schrieb LAGLER einmal. „Wir müssen daher unsere Stimme erheben, wenn wir Fehlentwicklungen erkennen und Vorschläge für bessere Lösungen einbringen.“ Und mir wird immer sein Aufruf im Gedächtnis bleiben: „Für die Sicherheit unseres Staates einzutreten muss auch weiterhin unser Anliegen sein, selbst wenn, oder besser gerade weil man oft das Gefühl hat, dass dieses Grundbedürfnis einer Gesellschaft in Österreich kaum jemand mehr ernstlich interessiert.“

General LAGLER hat durch seinen Weitblick entscheidend zur Verankerung der Umfassenden Landesverteidigung in SALZBURG beigetragen und hat durch sein Schaffen eine ganze Generation von Soldaten in Österreich geprägt. Um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen, lädt das Militärkommando am 4. Juli 2022 um 14.00 Uhr zum Requiem in die Militärkirche der SCHWARZENBERG-Kaserne ein. Um Zu- oder Absage bis zum 01. Juli 2022 wird gebeten: Tel: 050201 80 40004 oder Email: milkdos.kdo@bmlv.gv.at

Oberstleutnant Mag. Lothar Riedl, Präsident Offiziersgesellschaft Salzburg

Miliztag 1989 (Photo: Landespressebüro)