Nachruf der OG Salzburg für Forstmeister aD Hofrat Dipl. Ing. Nikolaus Hinterstoisser

Am 09.07.2023 ist unser Kamerad, der frühere Leiter der Landschaftlichen Forstverwaltung Zell am See und frühere Vorsitzende der Offiziersgesellschaft Pinzgau, HR Dipl. Ing. Nikolaus Hinterstoisser im 98 Lebensjahr verstorben.

1926 als Sohn eines bundesforstlichen Försters in Krampen (oberes Mürztal) geboren, wuchs er von Kindheit an mit Wald und Jagd auf. Nach der Volksschule in Neuberg besuchte er als Gymnasiast ein Internat in Wien. 1943 wurde er wie seine Mitschüler als Flakhelfer dienstverpflichtet und kam bei der Verteidigung von Wiener Neustadt gegen alliierte Bomberangriffe zum Einsatz. 1944 wurde er zum Wiener Infanterieregiment 134 der 44. „Reichs-Grenadierdivision Hoch- und Deutschmeister“ der Wehrmacht eingezogen und alsbald als Reserveoffiziersbewerber zum ROB-Bataillon nach Znaim transferiert. Von dort gelangte er 1945 an die Front südlich von Wien im verzweifelten Kampf gegen die Sowjetarmee. Eine dabei erlittene Verwundung ersparte ihm das Schicksal des Gros seiner Einheit bei Laxenburg aufgerieben zu werden. Über Passau und Salzburg gelangte er mit Verwundetentransporten per Schiff und Bahn bis Feldkirch, entkam im Zuge der Besetzung des dortigen Lazaretts durch marokkanische Einheiten vorerst den Franzosen und geriet schließlich bei Landeck in US-Gefangenschaft. Die abenteuerliche Geschichte fand ihren Niederschlag in einem Beitrag zur Zeitschrift „TRUPPENDIENST“ (TD online v. 18.04.2021).

Nach dem Krieg studierte er an der Hochschule für Bodenkultur (heute BOKU) Forstwirtschaft. Im Anschluss an seine Sponsion 1950 war er zunächst bei der Forsteinrichtung der ÖBF, dann bei der Waldstandsaufnahme des BMLF im Flachgau, Pongau und Lungau tätig. 1954 wechselte er zum Amt der Salzburger Landesregierung und übernahm die Auswertung der im Salzburger Landesarchiv aufbewahrten Liquidationsprotokolle und örtliche Holzbedarfserhebung für die „Saalforste-Regulierung“ in den damals drei Forstamtsbereichen Leogang, St. Martin/Lofer und Unken (die Bayerischen Saalforste sind ein seit Jahrhunderten bestehendes bayerisches Staatseigentum an Wald und Jagdflächen im Salzburger Pinzgau). Zweck dieses Unterfangens war die bedarfsgerechte Festlegung der Holzbezugsrechte der bei den Bayerischen Saalforsten eingeforsteten (holzbezugsberechtigten) Liegenschaften in Zusammenhang mit der Neufassung der aus 1829 datierenden Salinenkonvention (1957). 1959 übernahm er die Landschaftliche Forstverwaltung in Zell am See. Diese vom Salzburger Landtag (der „Landschaft“, daher die bis heute gültige Bezeichnung) im 19. Jahrhundert geschaffene Einrichtung dient der agrarbehördlichen Aufsicht und fachlichen Beratung der 14 „Ausgeforsteten Gemeinden“ (1 im Pongau, 13 im Pinzgau), welche aus den in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts durch Abtretung von Staatswaldflächen (Ausforstung) an bis dahin darin eingeforstete Liegenschaften zwecks künftiger Deckung von deren Holzbedarf entstanden waren. Zu den vordringlichsten Aufgaben zählte neben der Modernisierung der Verwaltung der Ausbau eines LKW-fahrbaren Forststraßennetzes, die Organisation eines gemeinsamen Holzverkaufs in den überwiegend bäuerlichen Waldgemeinschaften sowie die einwandfreie Vermarkung und Arrondierung des Grundbesitzes durch Flächenzukäufe. So konnte eine Festigung der bäuerlichen Besitzstruktur und Hebung der Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitiger Verbesserung des Waldzustandes und der Schutzwirkungen des Waldes erzielt werden. Ein zunehmend heikles Thema wurde die vor allem ab den Siebzigerjahren zunehmende touristische Nutzung von Waldflächen, vor allem für den Wintersport. Willkommenen Einnahmen aus Pachterträgen etwa für Schipisten standen wachsende Waldflächenverluste für solche Anlagen entgegen.

 Zu den weiteren beruflichen Initiativen zählten u.a. auch die erste Holzbringung mittels Hubschrauber im Pinzgau (am Badhauskopf in Zell am See) oder Hochlagenaufforstungen im Zuge flächenwirtschaftlicher Projekte zur langfristigen regionalen Katastrophenprävention. Über 10 Jahre war er Vorsitzender der vom BMLF eingerichteten österreichweiten Arbeitsgruppe Hochlagenaufforstung. Immer wieder verstand er es, Kooperationen der lokalen Waldgemeinschaften mit dem Österreichischen Bundesheer anzustoßen und durchzuführen. Vor allem mit dem Fliegerregiment 1 (Oberst Sepp Stangl), der (damaligen) Jägerschule Saalfelden (ua. Obst./Brig. Otto Fortin, Obst. Dieter Brell, Brig. Paul Puntigam), der Tragtierstaffel Hochfilzen (Obst. Kaltner) und dem Salzburger PiB 3 (Obst Bruno Koppensteiner) konnten zahlreiche praktische Einsätze wie  Pflanzentransporte für Hochlagenaufforstungen im Steilgelände, Durchforstungen mit übungsweiser Verwendung des Durchforstungsholzes etwa für Pionierstege u.dgl. zu beiderseitigem Nutzen abgewickelt werden.

Umfangreich war auch sein außerberufliches, ehrenamtliches Engagement. So war er Mitbegründer der Salzburger Berg- und Naturwacht und baute diese Landeswache als Bezirksleiter (1968-1998) im Pinzgau auf.  Neben ihrer Funktion als Naturschutzwache wurde die Berg- und Naturwacht im Bezirk des Öfteren zur Unterstützung der Gendarmerie bei Katastropheneinsätzen herangezogen. 1980 wurde er im Anschluss an das große, von ihm in Zell am See organisierte Bundestreffen der Berg- und Naturwachten Österreichs zum Bundesgeschäftsführer der ABNÖ (Arbeitsgemeinschaft der Berg- und Naturwachten Österreichs) berufen, in welcher Funktion er einer der Mitbegründer der Österreichischen Gesellschaft für Natur- und Umweltschutz (heute: Umweltdachverband) wurde. Für eine Funktionsperiode war er stellvertretender Vorsitzender des Österreichischen Nationalkommittees der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA . Vom Zeller Geometer Dipl.Ing. Huber übernahm er den Vorsitz in der Offiziersgesellschaft Pinzgau, für die er in Zusammenarbeit mit der Jägerschule Saalfelden (heute: Gebirgskampfzentrum) des Österreichischen Bundesheeres zahlreiche Vorträge und Fahrten zu den Schauplätzen der Südwestfront des Ersten Weltkrieges organisierte, immer unter dem Aspekt der Aussöhnung zwischen den früheren Kriegsgegnern in gegenseitiger Achtung und Anerkennung erbrachter Opfer und  Leistungen. Zu seinen besonderen Anliegen zählte die von ihm initiierte und durch viele Jahre organisierte Teilnahme von Salzburger Delegationen (in der Regel: eine Salzburger Musikkapelle, Abordnungen von Kameradschaftsbund, Schützen, Berg- und Naturwacht, Offiziersgesellschaft) an den jährlichen großen Gedenkfeiern für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges am Monte Grappa, deren heutige Gestaltung er maßgeblich mit prägte. 1996 gründete er federführend die Historische Schützenkompanie Zell am See, deren Gründungs- und Ehrenobmann er war. Bis ins hohe Alter war er aktiver Jäger und u.a. Gründungs- und Ehrenobmann des Jagdvereins Zeller See. Dipl.Ing. Nikolaus Hinterstoisser war 71 Jahre lang mit seiner Ehefrau Auguste verheiratet und hatte 2 Kinder, 3 Enkel und 1 Urenkelin.

FM Dipl. Ing. Nikolaus Hinterstoisser war u.a. Träger des Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, des Goldenen Verdienstzeichens und des Umwelt-Verdienstzeichens des Landes Salzburg, der Staatsmedaille in Silber des Freistaates Bayern, des Goldenen Ehrenzeichens der OGS, des Goldenen Verdienstzeichens der ABNÖ, der Goldenen Verdienstmedaille der Salzburger Berg- und Naturwacht, des Goldenen Ehrenzeichens des Österreichischen Schwarzen Kreuzes, der Silbernen Verdienstmedaille des ÖKB sowie zahlreicher weiterer in- und ausländischer Dekorationen.

Über all dem, war er ein stets für die Sache umtriebiger Mensch, mit Weitblick für das Wesentliche, in allen Bereichen seines Tuns. Mit seiner Tätigkeit schaffte er es Brücken zu bauen und über Generationsgrenzen hinweg nicht nur die Glut der Gedanken an die Vergangenheit zu erhalten, sondern das Feuer einer Vision von Frieden weiter zu geben.